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Mittwoch, 23. Dezember 2009

Kurzgeschichte: Jeden Tag anders sein!

oder: 

Wie mein Name zu meinem Lebensinhalt wurde

Glauben Sie mir, bitte, für mich war es eine ungeheure Strafe mit dem Namen „Anders“ geboren worden zu sein!
 
Nicht nur, das ich es als Kind hasste, immer die Erste in der Namensliste meiner Klassenkameraden zu sein, nein, auch die vielen Späßchen, die mit diesem Namen getrieben wurden, hingen mir schon sehr früh in meinem Leben - im wahrsten Sinne des Wortes - aus dem Hals heraus. Nämlich immer dann, wenn wieder einmal ein Spaßvogel auf meine Kosten seine Witzchen treiben wollte: „Na, wie heißen wir denn heute? Anders als gestern?“

Oder: „Oh, du heißt anders. Ich auch. Und wie heißt du denn nun?“ Blöde Frage... - „Ich heiße Anders!“ Und dann die noch blödere Antwort: „Ja, das hab’ ich schon verstanden, ich wollte ja auch wissen, wie du wirklich heißt!“

„Ich heiße wirklich Anders. Anders groß geschrieben natürlich...“ „Ach, so. Sag doch gleich, dass du anders heißt, Anders!“ Würg... – denn nach dem einhundertundeinten Mal kann man – selbst als Gemütsmensch mit einer riesigen Portion Geduld – diese blöden Sprüche nicht mehr hören.

Jedes Mal, wenn mich als Teenager jemand auf meinen Namen ansprach, würgte ich das sich anbahnende Gespräch bereits im Vorwege ab: „Ich weiß, was du sagen willst... – Ich hab mir den Namen auch nicht ausgesucht. Ich heiße eben so und nicht anders – und damit basta!“ Die meisten gingen mit einem verschämten Kichern und einer Bemerkung wie etwa: „Frau Anders ist wieder ganz anders heute“ davon...

Ein wenig anders (schon wieder dieses Wort...) wurde es, als ich in jüngeren Jahren mit einem Freund eine Fahrradtour durch die deutschen Lande machte. Wir radelten fröhlich und beschwingt durch ein ruhiges, verträumtes Örtchen, als mein Blick plötzlich auf ein kleines, am Ortsrand gelegenes, Geschäft fiel. Ein richtiger kleiner „Tante-Emma-Laden“ mit vielen Geschenkartikeln in der Auslage. In großen Lettern stand dort am Schaufenster etwas, was ich lange bewundernd ansah. Ich konnte meinen Blick kaum noch von den roten Leuchtbuchstaben abwenden: „ANDERS ALS ANDERE!“

Irgendwo tief in meinem Inneren regte sich in diesem Moment etwas, was ich nie zuvor gefühlt hatte. Ein neuer, nie zuvor gedachter Gedanke schlich sich langsam, aber sehr kraftvoll, in meine schier endlosen Gehirnwindungen hinein: „Da gab es offenbar Menschen, die das Anders-Sein akzeptieren konnten! Mehr noch: Sie warben sogar noch öffentlich damit!“

Ich war ziemlich sprachlos ob dieser - für mich - neuen Sichtweise der Dinge und verbrachte den Rest des sommerlichen Nachmittags mit Grübeleien über das Für und Wider meines Namens.

Vielleicht sollte ich aus meiner Last eine Stärke für mich machen! Vielleicht sollte ich einfach meine Taktik ändern und mich nicht mehr über dumme Sprüche bezüglich meines Namens aufregen, sondern endlich anfangen, den Namen zu akzeptieren und das Beste daraus machen! Vielleicht sollte ich einfach dazu stehen, anders zu sein und es auch genießen!

Nun, ganz so einfach ist das natürlich nicht. Meistens ist es leichter gesagt als umgesetzt. Und abgesehen davon, dass ich meine guten Vorsätze schon wenig später fast wieder vergessen hatte, wurde das Ganze ja auch nicht von allein besser. Ich musste aktiv an der Umgestaltung mitwirken, wenn ich etwas bewirken wollte!

Bei darauf folgenden Anders-Zwischenfällen erinnerte sich ein kleiner Teil in mir daran, dass ich die Sache anders (...) sehen wollte. Ich versuchte künftig meine Wut über das Anders-Sein und die blöden Wortspielereien runter zu schlucken und konterte geschickt: „Nicht viele haben das Glück, anders sein zu dürfen! Ich jedenfalls habe es!“

Das ich mich erst nach vielen Versuchen auch wirklich gut damit fühlte, muss ich, glaube ich, nicht erst erwähnen. Es dauerte seine Zeit, bis es auch bei mir mehr als nur ein dahin gesagter Spruch war und ich wirklich tief in mir fühlte, was ich sagte.

Viele Jahre später lernte ich meinen ersten Mann kennen – und mit ihm einen Menschen, der ebenfalls mit seinem Namen zu kämpfen hatte, denn wer, bitte, versteht schon „Parnefjord“ aus dem Mund eines eingedeutschten Schweden richtig?

Ich weiß heute nicht mehr, wie viele unzählige Male dieser Name von meinem damaligen Mann buchstabiert worden ist, damit das verständnislose Gegenüber die kleine Chance bekam, wenigstens ein bisschen zu verstehen, wie er hieß, aber es war wirklich oft, sehr oft!

Als wir heiraten wollten und uns Gedanken darüber machten, wie ich nach der Hochzeit heißen würde, geriet ich allerdings in ein unerwartetes emotionales Dilemma. Hätte ich mich Jahre zuvor noch spontan entschieden, meinen Namen sofort und unwiderruflich auf den Namen meines zukünftigen Mannes – egal, welchen Namen dieser auch tragen mochte... - zu ändern, so bot mir mein zukünftiger Ehename nicht wirklich eine angenehme und akzeptable Alternative. Oder um es korrekter auszudrücken: Dieser Name war definitiv KEINE Alternative zu dem, was ich bisher hatte.
War es wirklich besser „Parnefjord“ zu heißen als anders?(Entschuldigen Sie bitte diesen Tippfehler, hier muss „anders“ natürlich groß geschrieben werden... Ich lasse ihn nur deshalb stehen, damit Sie auch wirklich ein Gefühl dafür bekommen, wie ausgesprochen blöd es ist, Anders - anders - zu heißen...)

Nach einigen Wochen Bedenkzeit entschied ich mich dafür, meinen Nachnamen auf Anders-Parnefjord zu ändern. Mittlerweile war mir der Name „Anders“ doch so ans Herz gewachsen, dass ich ihn nicht mehr aufgeben konnte – und das trotz der vielen Späßchen, die damit getrieben wurden. Der Gewöhnungspegel daran war in mehr als 28 Jahren doch ziemlich gewachsen. Und das Parnefjord-Spielchen des ewigen Buchstabierens wollte ich ebenfalls nicht spielen. Zumindest, so dachte ich, würden die Menschen nun endlich begreifen, dass ich einen vernünftigen Nachnamen habe und Ihre Witzchen darüber lassen.

Allerdings hatte ich nicht mit der Kreativität der Menschen gerechnet... Zwar ließen die Sticheleien bezüglich des Namen „Anders“ drastisch nach, aber was so alles an Wortkreationen und Namensneuschöpfungen zu Tage kam!

Da wurde ich zum Beispiel als „Frau Pjannefond“ bezeichnet, oder - noch besser - als „Frau Andreas Pannenfreund“. Auch die Kreation „Pahnefrosch“ hat mir ziemlich gut gefallen, ganz zu Schweigen von „Parma-Ford“, wie auch immer dieses neue Schinken-Auto aussehen mochte...

Sie lachen? Prima, ich fand es auch recht witzig... – einige Jahre später und mittlerweile des Buchstabierens dieses Namens mächtig! Wie auch immer – ich gewöhnte mich auch noch an diese neuen Namensspielchen mit vielen neuen Späßchen (man glaubt ja gar nicht, wie einfallsreich manche Mitmenschen so sein können...) und arbeitete wieder an meiner persönlichen Akzeptanz meines so Seins und Heißens.

Jahre später – ich beschäftigte mich inzwischen aufgrund einer Sinnkrise ein bisschen mit Esoterik und möglichen Hintergründen für unser Dasein – traf ich einen älteren, weißbärtigen Mann, der mir einiges zu meinem Namen zu sagen wusste. So meinte er unter anderem, dass mein Vorname Gudrun etwas damit zu hätte, dass ich das Wort Gottes verbreiten sollte. Er leitete dies aus den Wortstämmen „Gud“ für „Gott“ und „run“ als Sinnbild für „Runen“ („Wort“ oder „geheime Weisheit“) ab. Und meinem Geburtsnamen „Anders“ sollte ich doch bitte alle Ehre machen und meine schon vorhandenen Gedanken dazu in die Tat umsetzen...

Ein wenig später durchlief ich einige unterschiedliche Ausbildungen im Bereich der alternativen Heilmethoden und damit verbunden waren viele therapeutische Sitzungen, die mir halfen, weiter in mein innerstes Wesen vorzudringen, zu dem, was ich wirklich war oder zumindest gern hätte sein wollen.

Der Effekt, den diese Ausbildungen auf mein weiteres Leben hatten, war nicht zu unterschätzen, denn ich wurde mit mir und meiner Welt aufrichtiger und wesentlich ehrlicher zu mir selbst. Aufrichtiger auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich unterzog mich einer sehr intensiven Rückenschule, um meine seit Kindesbeinen an nach vorn gekrümmte Wirbelsäule wieder aufzurichten.

Vielleicht war es – im Nachhinein betrachtet – auch die Last meines Namens, unter der ich als Kind und Jugendliche schwer zu leiden hatte, die mich eine buckelige Haltung einnehmen ließ, was in jüngeren Jahren ein weiterer Leidensfaktor für mich gewesen war. Mehr als nur einmal nannte man mich scherzhaft „Buckel-Gudrun“; nach meinen ständigen Rückschmerzen hat sich jedoch nie jemand erkundigt.

Aber all diese Therapien hatten auch etwas sehr Gutes für mich: Ich war nach vielen Jahren der Unterdrückung meiner Gefühle und Emotionen endlich in der Lage, diese besser zu fühlen, sie auszudrücken und auszuleben. Was zur Folge hatte, das ich nicht mehr jeden Tag kontrolliert und für meine Umwelt berechenbar war, sondern mich in einem ständigen Wechselbad der Gefühle befand – mal so, mal so. Mal traurig und depressiv, mal ruhig und zurückgezogen und mal himmelhoch jauchzend und überglücklich.

Freunde von mir, die mich und meine Berg- und Talfahrten amüsiert betrachteten, ließen sich dann auch zu der Kreation: „Na, sind wir heute mal wieder etwas anders, Frau Anders?“ hinreißen, die mir noch bis heute wie ein uraltes, durchgekautes, lang nicht mehr schmeckendes Pfefferminz-Kaugummi zwischen Zeigefinger und Daumen anhaftet. Gott sei Dank konnte ich zu diesem Zeitpunkt auch endlich so lange darüber lachen, bis uns allen die Tränen über die geröteten Wangen rollten.

Und mit diesen extremen Stimmungsschwankungen trat ein merkwürdiges Phänomen in mein Leben: Die scheinbare Stagnation meines Lebensflusses - ich hatte lange das Gefühl, irgendwie nicht von der Stelle zu kommen - hatte ein Ende. Die Welt um mich herum drehte sich irgendwie immer schneller und schneller. Und immer mehr passierte in immer kürzerer Zeit. Emotionsgeladene Situationen häuften sich, reihten sich aneinander wie die scheppernden Wagen einer Achterbahn im Sturzflug - und das Leben fuhr mit mir auf derselben.

Zu dieser Zeit hatte ich eine Freundin, die gleich um die Ecke arbeitete und die ich natürlich jeden Tag sah. Als ziemlich verstandes-orientierter Mensch lächelte sie oft belustigt über meine kleineren und größeren Gefühlswallungen, die sich wie eine Welle hätten ausbreiten sollen oder können, in Wahrheit aber eher einem Tsunami entsprachen. Aber auch sie gewöhnte sich ein bisschen daran und schaute mir oftmals ein wenig argwöhnisch entgegen, wenn sie wieder einmal eine Sturmflut erwartete und schnell davor in Deckung hechtete...

Als diese Springfluten langsam abebbten und ich wieder ein wenig ruhiger und gelassener wurde, fing sie sogar an, es zu vermissen. Und so sagte sie eines Tages zu mir: „Gudrun, ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass du jeden Tag anders bist, dass ich es vermisse, wenn du mal nicht anders bist, Frau Anders! Kannst du nicht wieder jeden Tag anders sein und dem Namen ‚Anders’ alle Ehre machen? Das war irgendwie viel schöner...“

Und in diesem Moment – im Bruchteil einer Milli-Sekunde - machte etwas ‚pling’ in meinem Kopf! Es war o.k. anders zu sein. Und es war auch o.k. anders als andere Menschen mit Gefühlen umzugehen, denn das macht unsere Andersartigkeit doch erst aus! Es war o.k. anders zu denken, anders zu sein, anders zu handeln.
 
Es war o.k. den eigenen, ganz persönlichen und individuellen Lebensweg zu gehen, der anders (!) ist als der der anderen.

An diesem Tag hatte ich mein neues – und eigentlich geniales – Lebensmotto vollständig akzeptiert: „Ich bin anders als die anderen. Ich bin jeden Tag anders. Ich bin Frau Anders. Ich bin Anders (anders) – und das ist gut so!“

Und mein Lebensmotto – und damit mein Leitspruch für mein weiteres Leben – wurde: „Jeden Tag anders sein!“ Das geht sogar so weit, dass meine persönliche Email-Adresse „jedentaganders“ lautet und auch eine Webseite habe ich mir mit diesem Namen zugelegt.

Was ich Ihnen mit diesen kleinen, sehr persönlichen Beispielen aus meinem eigenen Leben nahe bringen wollte, ist, dass wir alle anders (!) sind und es keinen Grund gibt, den oder die anderen über die Andersartigkeit auszulachen.

Jeder von uns hat mit der Andersartigkeit des oder der anderen (gelegentlich) zu kämpfen. Der eine ist schwarz, der andere weiß. Der eine ist groß, der andere dafür sehr klein. Einer ist behindert und der andere ist es nicht. Niemand ist besser oder schlechter, nur weil er ‚anders’ ist.

Wir alle haben unser Päckchen zu tragen, bei manchen ist es offensichtlich und bei anderen schlummert es wohlgehütet und bestens getarnt im Verborgenen. Niemand ist perfekt, jeder hat oder empfindet seine ureigenste, persönliche „Behinderung“, ob diese nun aus körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen herrührt. Und jedes sich lustig machen über die Andersartigkeit des anderen, kann tiefe, schmerzende Wunden in der Seele des Betroffenen hinterlassen. Wunden, die, einer Brandmark gleich, immerwährende Spuren - ob sichtbar oder unsichtbar - hinterlassen und von purer Gewalt und einer sehr tiefen Herzlosigkeit zeugen, denn nicht jeder ist in der Lage, sein Schicksal vollkommen mühelos zu (er)tragen.

Lassen Sie uns an der Andersartigkeit der anderen Menschen teilhaben, egal wie dieses „anders sein“ sich ausdrücken mag. Lassen Sie uns herzlich aufeinander zu gehen, damit es ein Miteinander gibt und wir aus dem Anders-Sein des anderen lernen und davon profitieren können. Es gibt so viel zu entdecken, was eine Bereicherung für uns alle sein könnte! Es gibt auf dieser Welt so viel zu tun und zu verändern, dass für derartigen Kinderkram keine Zeit mehr sein sollte!

Lassen Sie uns anders (!) sein, damit wir das Leben anders (!) gestalten und alle etwas zu lachen haben.

Ihre
© Gudrun Anders

Freitag, 18. Dezember 2009

Kurzgeschichte: Tierkommunikation

Etwas mehr als zwei Jahre wohne ich jetzt in meinem neuen Heim. Ein alter Bauernhof inmitten der Aachener Soers, einem Stück Natur belassener Landschaft nur fünf Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Rundherum Kühe auf frischen Weiden, Wanderwege entlang der Maisfelder und Hofläden, an denen es Biogemüse zu kaufen gibt.


Meine Katze und ich lebten uns hier schnell gut ein und genossen den ursprünglich gehaltenen Garten sehr. Ich liebte auch die beiden Hofhunde, die zwar im Zwinger gehalten werden, womit ich zunächst Probleme hatte, aber es ging ihnen so gut hier, dass ich meine Bedenken recht bald verlor.


Das einzige, was mich etwas störte, war, dass die beiden sehr oft bellten. Was ja in Ordnung war, wenn abends oder nachts Fremde auf den Hof kamen, aber die beiden bellten auch, wenn eine Kühe auf der Weide an ihnen vorüber ging oder wenn sie Langeweile hatten. Aber ich gewöhnte mich dran und – es waren nicht meine Hunde ...


Vor einigen Monaten musste dann der Besitzer für längere Zeit wegen einer Operation ins Krankenhaus und anschließend in die Reha. Nur zu gern sagte ich zu, die Pflege der beiden Hunde zu übernehmen, die mir zwischenzeitlich sehr ans Herz gewachsen sind. Morgens und abends gingen wir unsere Runden auf dem Hof und den angrenzenden Wiesen. Am Nachmittag beobachtete ich die beiden, wie sie auf ihrer Lieblingswiese die Mäusegänge ausbuddelten. Und wir gewöhnten uns sehr aneinander. Ich hatte sogar den Eindruck, dass die beiden ein klein wenig ruhiger wurden.
 
Als das Herrchen dann endlich aus der Reha wieder kam, war ich sogar ein wenig traurig. „Och,“ sagte Josef, das Herrchen dann, „du kannst die beiden doch immer rausnehmen, wenn du willst!“ Und so ging ich, wann immer ich Lust und Zeit hatte, mit den Hunden an unsere Lieblingsplätze. Und wir alle freuten uns.
 
Manchmal, während ich auf meinem Lieblingsbaumstumpf saß und den Abendhimmel beobachtete, redete ich innerlich mit den beiden Hunden. Mein innerstes Selbst fragte, was sie brauchten, wonach sie sich sehnten – und was ich vielleicht tun könnte. Das ist nichts ungewöhnliches, das mache ich eigentlich schon seit meiner Kindheit. Ich rede auch mit Pflanzen und mit anderen Menschen auf dieser nonverbalen Seelenebene, die leider noch nicht allen Menschen so zugänglich ist.
 
Von Benji, dem kleinen vierjährigen Wildfang nahm ich wahr, dass er oft nicht ausgelastet ist. Auf Seelenebene hörte ich,  dass er manchmal deshalb nicht hört, weil er gern noch länger über die Wiesen tollen würde, um seine Kräfte zu erproben. Er wollte noch etwas entdecken, den kleinen Strolch rauslassen und seine Nase in den seichten Sommerwind halten.


Ich wusste allerdings nicht, wie ich das bewerkstelligen sollte. Meine beste Freundin sagte mir oft, dass mir ein Hund fehlt, mit dem ich regelmäßig nach draußen komme. Und es stimmte. Ich hatte viele Jahre einen Hund gehabt und die Bewegung hätte mir sicher gut getan.
 
Als ich den Hundehalter bei nächster Gelegenheit fragte, war dieser sogar begeistert von der Idee, dass ich Benji auf die Spaziergänge mitnehmen wollte. Es gab nur ein Problem: Bislang hatte der kleine Frechdachs alle Leinen durchgebissen und sich massivst zur Wehr gesetzt, weil er partout nicht mit Leine gehen wollte. Kein Wunder, war er doch jahrelang das freie Herumtollen auf der Wiese ohne Halsband gewohnt.
 
Das erste Mal ging nur mit leichtem Zwang und zwei festen Händen, die ihn hielten, um das Halsband über den Kopf zu streifen. Und während ich zur Wiese wollte, kämpfte Benji sich in die andere Richtung – in den Zwinger! Alle vier Beine stemmten sich in den Boden und wäre er eine Katze, hätte man sicher sagen können, dass er ob der ungewohnten Leine einen Katzenbuckel machte.


Irgendwie schaffte ich es dennoch, ihn dazu zu bewegen, einen kleinen Weg mit mir zu gehen. Auf nicht einmal 800 Metern lief er mir mindestens 12 Mal zwischen die Beine, trat mir 5 Mal auf die Füße und blieb mehrfach abrupt stehen, so dass auch ich fast stolperte. Als er auf dem Rückweg die vertraute Auffahrt wieder sah, gab er dann so viel Gas, dass er mich die Steigung hoch fast zog.


Aber ich wollte nicht mehr locker lassen. Am nächsten Morgen nahm ich die beiden Hunde mit auf unsere vertraute Wiese und redete auf meinem Baumstamm sitzend mit dem kleinen Mischlingshund. Ich nahm wahr, dass er zwar einerseits neugierig war und in seiner vertrauten Umgebung auch ein kleiner Draufgänger, aber das sein eigentliches Wesen eher ängstlicher Natur war.


Nachmittags machte ich mich wieder fertig, um mit ihm eine Runde zu gehen. Die Leine ließ sich schon ein wenig besser anlegen, die ABS-Beine stemmten sich nur noch wenig in die Erde. Immer wieder lobte ich den kleinen Hund, streichelte ihn und sprach ihm Mut und Lob zu. Wir trafen auf dieser Runde nicht auf andere, aber das war auch gut so, denn langsam lockerte er sich ein wenig, fing hier und da mal an zu schnüffeln und hinterließ auch gelegentlich mal seine Duftmarke. Dennoch war er sichtlich froh, als wir seinen Heimathafen wieder ansteuerten. Als er sein Herrchen an der Wiese stehen sah, gab er Gas, und freute sich offensichtlich, das dieser große Ausflug ins Umland glücklich geschafft war.


Das gleiche machte ich am Morgen darauf. Wieder sprach ich ihm morgens auf Seelenebene Mut zu und schnappte mir Benji am späten Nachmittag für unsere erste richtig große Runde.


Ohne Widerrede ließ er sich das Halsband anlegen und der Widerstand zu gehen war nur noch sehr gering. Nach wenigen Metern lief er freier als die ersten Male, blieb stehen, wenn ich stehen blieb und beim Kommando „komm“ setzte er sich wieder in Bewegung. Nur bei sehr ungewohnten Geräuschen kam er meinen Knien verdächtig nahe ...


Wir begegneten Joggern, die er freundlich passieren ließ, obwohl er sonst wohl eher in die Achillesferse gebissen hätte. Auch Radfahrer, die er gern von der Seite ansprang, konnten passieren. Und schreiende Kinder konnten ihm kaum was anhaben. Er drückte sich an mich, obwohl er sonst auf sie losgegangen wäre.
Wir machten eine sehr große Runde und entdeckten einen kleinen Bachlauf, begrüßten Esel und Pferde auf den Wiesen und entdeckten einen wundervollen Schlosspark, in dem es herrlich nach frisch gemähtem Gras duftete.


Auf dem Nachhauseweg trafen wir eine junge Frau mit Kind erneut. Wir waren ihnen schon zuvor am Bach begegnet. Es entspann sich ein kurzes Gespräch, in dem ich ihr sagte, sie möge noch ein wenig vorsichtig sein, gerade mit dem Kind, weil ich noch nicht wisse, wie der Hund reagiert. Benji aber schnupperte nur und blieb ansonsten ganz ruhig und gelassen sitzen und beobachte die Umgebung.


„Haben sie nicht den Pferdeflüsterer gesehen?“ fragte mich die junge Frau. „Ich hab’ da ganz grandiose Dinge gehört, das Reden mit den Tierseelen funktioniert tatsächlich. Es gibt sogar Tierkommunikatoren – besuchen Sie doch mal einen! Das hilft tatsächlich!“


Ich lächelte, sah Benji ganz brav neben mir sitzen, obwohl das Kind zu schreien anfing, und sagte: „Ja, ich weiß. Ich bin eine davon!“
 
(c) Gudrun Anders

Dienstag, 15. Dezember 2009

Motibooks - der neue Buchtrend !

Motibooks sollen die Leser bewegen (engl. motion = Bewegung, Antrieb), soll sie erfreuen und so motivieren, denn die Leser werden an den eigenen Emotionen gepackt.
 
Beispielsweise die Autorin Gudrun Anders: Sie schrieb, ohne es zunächst selber zu wissen, auch ein Motibook und sammelte hierzu ihre Gedanken auf kleinen Zetteln.
 
Als dann eine Freundin mit einem beruflichen Rückschlag umgehen musste, überreichte Gudrun Anders eine Sammlung motivierender Gedanken und die Reaktion der Freundin viel deutlich aus. Der berufliche Stress entwich ihren Gedanken und die Ansammlung von Zetteln wirkte, besser: Das erste Motibook wirkte und es folgten zahlreiche andere.
 
Wen wunderts, sind die Themen der Motibooks ja gerade motivierend und inspirierend und mit guten Gedanken nahezu vollgestopft. Auch kurze, motivierende Fachbücher sind im Programm vertreten, ebenso Kurzgeschichten und Märchen. Die reiche Bebilderung unterstützt die motivierenden Texte der kleinen Motivationskünstler.


Aber warum wirken Motibooks so motivierend? Die Autoren sprechen die Sprache der Leser, denn es sind Menschen wie Du und ich. Menschen, die ihre Erfahrungen und Einsichten mit anderen teilen möchten. Menschen, die andere so gern haben, dass sie Ihnen helfen möchten.
 
Menschen, die künstlerisch tätig sind oder die einfach eine Begabung zum Schreiben haben und ihr Geschriebenes gern als Buch in der Hand halten möchten.
 
Menschen, die einen Computer haben und schlussendlich Menschen, die verstehen warum ein Motivationsschub gerade nötig ist.


Info: 
www.motibooks.de
oder direkt bei Gudrun Anders - info(at)gudrun-anders.de

Montag, 7. Dezember 2009

Märchen: Die Zusammenkunft der großen Drei

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da kamen der Paradiesapfel, die Wolke und das Bild in einer Hütte am Ende der Welt zusammen, um darüber zu diskutieren, wer von ihnen der Wichtigste auf dieser Welt sei.


Der Paradiesapfel meinte: „Selbstverständlich bin ich das Wichtigste auf dieser Welt! Nur mit mir können die Menschenkinder überleben. Deshalb bin ich wichtig. Wäre ich nicht, so müssten die Menschen elendig verhungern. Und da ich ein Pradiesapfel bin, bin ich besonders wichtig, denn durch mich werden die Menschen auch noch an das Gute und Schöne erinnert!“


Die Wolke brummelte Unverständliches vor sich hin. „Ja, ja, das ist ja alles ganz lobenswert, was du da erzählst, aber was wäre die Menschheit ohne mich und das Wetter des Lebens? Erst mit mir wird das Leben lebenswert. Nur Menschsein und essen reicht nicht aus. Man muss auch noch mehr von der Welt sehen als nur die Äpfel zum essen. Und das ist nur in Zusammenarbeit mit mir, der Wolke zu erreichen. Also bin ich das Wichtigste, was die Menschen haben!“ sprach die Wolke und guckte nach diesem Vortrag zufrieden vor sich hin.


„Papperlapp! Alles nur Gerede!“ toste das Bild. „Was wäre die Welt, wenn die Menschen nichts für das geistige Auge hätten? Sozusagen Nahrung für die Seele? Die Menschenkinder müssen sich uns, die Bilder, ansehen, damit ihr Wissensdurst nach geistigen Gütern gestillt wird. Ohne uns ist die Welt farblos und grau. Erst wir machen die Welt bunt und farbenfroh, so wie sie sein soll! Deshalb sind wir Bilder das Wichtigste auf dieser Welt!“ erzählte das Bild und räkelte sich genüsslich.


Stille entstand in dem Raum in der Hütte am Ende der Welt. Jeder hing seinen Gedanken nach und keiner traute sich im Moment, etwas zu sagen. Jeder spürte, das etwas in der Luft hing.


Und richtig! Eine feste Stimme sprach plötzlich: „Das ist alles gut und schön. Aber könntet ihr hier z.B. so gemütlich diskutieren, wenn es mich, die Hütte, nicht gäbe? Ich mache euch einen Vorschlag. Sozusagen einen Kompromiss. Was würdet ihr sagen, wenn wir alle gleich wichtig sind? Das heißt: der Apfel ist genauso wichtig und genau so viel wert wie die Wolke und genau so viel Wert wie das Bild und wie ich. Jeder ist gleichwertig, denn wir können einer ohne den anderen nicht leben. Deshalb lasst uns diese Diskussion hier abbrechen und uns einfach freuen, dass wir da sind, das wir leben und das jeder dem anderen helfen kann!“


Es dauerte noch eine Weile, bis jeder der Anwesenden begriffen hatte, was die Hütte da gesagt hatte. Aber ganz allmählich nickte ein jeder bedeutungsvoll mit dem Kopf und hatte ein Lächeln auf den Lippen.


Und jeder begann, sich bei dem anderen für diese Zusammenkunft zu bedanken und versprach, es den Kollegen draußen in der Welt weiterzuerzählen, wie sie das Geheimnis des friedlichen Miteinanders für immer gelöst hatten.


(c) Gudrun Anders

Montag, 30. November 2009

Kurzgeschichte: Advent, Advent - das Licht verpennt …

Vor einigen Tagen traf ich eine befreundete Heilpraktikerin zum Frühstück. Liebevoll hatte sie bereits unseren Frühstückstisch gedeckt, als ich eintraf. Es gab verschiedene Sorten Brot und Brötchen, Schokoladencroissants, Käse, Wurst, Marmelade und weich gekochte Eier. Dazu Kaffee, Tee und frisch gepressten Orangensaft.  Eine wahre Schlemmeroase tat sich vor mir auf.  Aber anstatt mich über dieses wunderbare Büffet zu freuen, verzog ich wohl ein bisschen das Gesicht.
 
„Irgendwas nicht in Ordnung?“ Sie schaute mich mit großen Augen fragend an.
 
„Nein, es ist wunderbar …“, brachte ich kleinlaut raus. Und nach kurzer Pause fuhr ich fort: „Es ist nur so, in den letzten Wochen hab ich 3 Kilo zugenommen. Seit es kälter wird, hab ich einfach mehr Hunger. Ich sollte also etwas vorsichtiger sein...“
 
„Du hast viel gearbeitet in den letzten Wochen, oder?“ fragte sie weiter, während sie mich auf meinen Stuhl bugsierte.
 
„Ja …“, meinte ich, setzte mich und starrte das verlockende Schokocroissant vor mir an, traute mich aber nicht, zuzugreifen.
 
„Warst du walken in letzter Zeit?“ Sie goss mir erst mal ungefragt meinen Lieblingscappuccino ein.
 
„Nein, wann denn? Wenn’s so früh dunkel ist, trau‘ ich mich in der Soers nicht über Stock und Stein und unbeleuchtete Feldwege …“ Ich nahm erst mal die Hälfte eines Vollkornbrötchens und schmierte hauchdünn Butter drauf. Ich schielte zur Himbeermarmelade, nahm dann aber doch einen fettreduzierten Käse und legte ihn mit einem Salatblatt oben drauf.
 
„Bist müde, oder?“ meinte meine Freundin und schmierte sich ein dickes Nutellabrot in das sie dann genüsslich rein biss, vor Verzückung die Augen verdrehte und besonders laut und demonstrativ „mmmhhhhh“ machte. Insgeheim fragte ich mich, wie dieses schmale Hemd das bloß machte, so gut auszusehen und so genüsslich zu essen.
 
Ich zog nen Mundwinkel hoch. Es war noch zu früh um dazu Widerworte zu geben. Stattdessen meinte ich: „Ich komme im Moment irgendwie nicht aus dem Quark, alles ist ziemlich schwer, könnte lange schlafen, bin immer müde …“ Und nach einem Bissen in mein Brötchen: „Vielleicht bin ich einfach Urlaubsreif …“ 
„Kann schon sein,“ entgegnete sie, noch immer kauend und mit einigen Nutella-Spuren mehr an den Mundwinkeln. „Ich würd’s erst mal mit mehr Licht versuchen …“
 
Und in diesem Moment dämmerte es mir. Logisch! Ich hatte den Winterblues erwischt und war in diesem Jahr drauf reingefallen, weil ich durch zu viel Arbeit mich auch zu wenig um mich selbst kümmerte. Ich starrte sie einen Augenblick lang sprachlos an. Und musste mir dann eingestehen, dass sie recht hatte.
 
Wir sprachen einen Augenblick über die Symptome, die zum „Winterblues“ führten  und beschlossen, uns nach dem Frühstück eine Runde „Lichttherapie“ in der Außenwelt zu gönnen und einen kurzen Spaziergang zu machen.
 
Um’s kurz zu machen und Sie / Euch nicht zu langweilen – ich hab das Schoko-Croissant noch gegessen und mir vorgenommen, jeden Mittag eine Weile an die frische Luft zu gehen und Licht zu tanken, um den Trübsal-blasen-Stimmungen den Garaus zu machen. Ich bestellte mir noch ein gutes Vitamin-Kombi-Präparat und benutze meine Lieblingsaura-Soma-Flasche, die viel gelb enthält. Und ich glaube, jetzt komme ich gut und ohne Blues – höchstens aus dem Radio … - durch den Winter.
 
Und – was Sie / ihr heute am ersten Advent macht, das weiß ich nicht, ich jedenfalls gehe jetzt walken und nutze die fünf Sonnenstrahlen aus! Das heimelige Kerzenlicht ist dann heute Abend dran!
 
Eine schöne Adventszeit wünscht Ihnen / Euch
Eure
Gudrun

Sonntag, 22. November 2009

Alles Märchen ? Ein Interview mit der Autorin Gudrun Anders

Die Aachener Heilpraktikerin und Autorin Gudrun Anders schreibt sich mit Märchen die Seele frei. Wir haben sie besucht und wollten wissen, ob das alles Märchen sind oder Realität.


Frau Anders, wie kommt es, dass ein Mensch, der mit beiden Beinen auf der Erde steht, Märchen schreibt? Und: Wie hat das alles für Sie begonnen?


Es begann vor etwa 18 Jahren. Ich war damals in einem Versicherungsbüro angestellt und hatte keine glückliche Zeit. Meine Mutter litt an Alzheimer, mein Vater hatte Depressionen und ich hatte gerade eine Gebärmutter-OP und die Trennung von meinem langjährigen Freund hinter mir. Ich wusste damals nicht mehr weiter.

Eines Tages saß ich an meinem Schreibtisch, schaute träumend auf die Wiesen hinaus und sah einen Engel. Glauben Sie mir, ich war sehr verdutzt! Auch nachdem ich mir die Augen gerieben hatte, war der immer noch da. Dann hörte ich eine Stimme, die mir sagte, dass ich schreiben soll. Ich war noch verdutzter, suchte überall danach, ob mir jemand einen Streich spielen wollte. Es war aber niemand da.


In Panik wollte ich den Notdienst rufen, aber meine Hand erreichte den Telefonhörer nicht, sie blieb einfach wie festgenagelt in der Luft schweben. Ich hörte diese Stimme noch mal und schrieb dann, fast wie in Trance, ein Märchen. Das ist jetzt wie gesagt, gut 14 Jahre her. Ich habe dann einige hundert Märchen geschrieben und festgestellt, dass es mir nach dem Schreiben eines Märchens viel besser ging.


Was hat sich denn konkret für sie geändert? Wie haben die Märchen bei Ihnen gewirkt?


Zunächst einmal fühlte ich mich mit jedem Märchen, dass ich schrieb, entspannter, nicht mehr so ängstlich. Meine Zuversicht und mein Vertrauen in das Leben stieg wieder. Damals wusste ich nicht, woher ich dieses Vertrauen nahm, denn im täglichen Leben konnte ich das aufgrund meiner Lebensumstände nicht fühlen.


Heute weiß ich, dass ich damals so durcheinander war, dass ich gut therapeutische Hilfe in Anspruch hätte nehmen können. Aber die Märchen haben mir dieses erspart. Ich habe einen großen Teil der notwendigen Therapie durch das Schreiben der Märchen selbst vorgenommen.


Ich habe einen spirituellen Anteil in mir etabliert, der heute aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Ich habe mein Herz wieder entdeckt und höre seitdem nicht mehr so auf meinen Kopf. Das stellte dann mein ganzes Leben auf den Kopf. Aus der Versicherungskauffrau wurde eine esoterische Buchhändlerin, später habe ich eine Ausbildung zur Heilpraktikerin gemacht.

Können Märchen heilen helfen?



Ich denke ja! Ich bin ein lebendes Beispiel dafür, dass Märchen ein Heilpotential inne wohnt. Ohne die Märchen würde es mich heute wahrscheinlich nicht mehr geben... Ich hätte mir damals das Leben genommen, denn ich habe aus meinem bewussten Verstand heraus keinen Ausweg mehr gesehen.


Mit dem Schreiben der Märchen aber kam wieder ein Teil in mir zum Vorschein, der bis dahin verschüttet gewesen war. Ich nenne es den spirituellen Anteil, der in jedem Menschen zu finden ist. Man könnte auch sagen, der Zugang zum Herz wurde wieder geheilt.


Vielleicht kann man eine Parallele ziehen zu Phantasiereisen, bei denen das Unbewusste in Form von Bildern angesprochen wird. Nur hierbei werden von Außen Bilder vorgegeben, denen der Geist dann folgt. Beim Märchenschreiben ist es anders herum. Ich gebe meinen inneren Bildern ausdruckt und zapfe sozusagen mein eigenes Heilungspotential an. Ich gebe mir selbst die Möglichkeit, Gefühle auszudrücken, die sonst kein Ventil gefunden haben. Darin liegt für mich einer der Schlüssel zur Heilung.


Sie haben eine Reihe von Büchern veröffentlicht. Wie kam es dazu?


Nun, die Märchen habe ich eigentlich nur für mich geschrieben und sie viele Jahre im Aktenordner oder im PC gehütet, weil ich dachte, das sie so privat seien, dass sie in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hätten. Ich habe mittlerweile meine Einstellung dazu geändert.


Der Grund dafür sind die vielen Menschen, die mir ein sehr positives Feedback zu den Märchen gaben. Die Menschen weinten, entdeckten ihre eigene Seelenweisheit durch die Märchen wieder und meinten, ich sollte doch ein Buch daraus machen, damit auch andere Menschen daran teilhaben können. Und nach und nach fand ich dann den Mut, auch Gedichte zu veröffentlichen und mein Buch über Rebirthing auf den Markt zu bringen, da diese Form der spirituellen Atemtherapie nach den Märchen ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu mir selbst darstellte.


Warum war Rebirthing für sie so wichtig?


Nachdem ich mich einige Jahre intensiv mit Märchentherapie beschäftigt hatte, dachte ich, auf meinem Weg schon sehr weit gekommen zu sein. Aber mich beschäftigte, wie ich noch tiefer in mich eindringen konnte. Vielleicht liegt das an meinem Sternzeichen – ich bin ein Doppelskorpion und habe immer irgendwie das Bedürfnis, ganz tief in die Dinge einzutauchen.


Nun, an diesem Punkt in meinem Leben kam Rebirthing auf mich zu und zeigte mir, dass durch einfaches Atmen intensive Glücksgefühle hervor rufbar sind. Gefühle, die über die Ruhe, die durch das Schreiben eines Märchens einkehrt, weit hinaus gehen. Spirituelle Erfahrungen der Einheit mit allem, des absoluten tiefen Vertrauens sind nach Rebirthingsitzungen keine Seltenheit, das habe ich in den letzten zehn Jahren an mir und Hunderten von Klienten erfahren dürfen.


Leider haben viele Menschen Angst vor Rebirthing. Ich kann das verstehen, denn es erfordert eine sehr intensive Auseinandersetzung mit den eigenen negativen Strukturen, den eigenen Egofallen und Glaubenssätzen, die uns hindern, vollkommen wir selbst zu sein. Klar, macht das Angst – aber die Auseinandersetzung damit bringt letztlich die Befreiung, die wir uns in unserem Inneren erträumen und ersehnen. Wer sich aber einmal an seine negativen Gefühle herangetraut und die Heilkraft erfahren hat, der wird diesen Weg – hoffentlich! – immer wieder gehen. Ich wünsche mir, dass viele Menschen süchtig nach Atmen sind und nicht nach Drogen oder Alkohol, dass würde wesentlich mehr Sinn machen, weniger kosten und zudem heilsam sein, statt die Gesundheit zu ruinieren. Aber das ist bislang ein Märchen, dass noch in die Realität umgesetzt werden muss...


Ist es auch ein Märchen, dass Sie durch einen Delphin, mit dem Sie geschwommen sind, ebenfalls einen Heilungsprozess durchlaufen haben?


Nein, das ist ausnahmsweise kein Märchen, sondern tatsächlich so geschehen. Ich war vor rund zweieinhalb Jahren mit einer Freundin, die Delphine auch so liebt wie ich, in Sinai, um dort mit Delphinen zu schwimmen. In der Anwesenheit des Delphins und der Magie dieses kleinen, abgeschiedenen Beduinendorfes in der Wüste, ist mir bewusst geworden, dass ich – wieder einmal – auf dem falschen Weg in meinem Leben bin. Ohne es bewusst zu merken, war ich wieder einmal leicht suizidal, denn ich wollte aus einer Ehe heraus, die mich nicht mehr befriedigte, nur wusste ich nicht wie ich das bewerkstelligen soll.


Als ich einmal beim Schwimmen meine Kräfte völlig überschätzte und voller Panik auf dem offenen Meer trieb, kam dieser Delphin zu mir, sah mich an und wartete ab, bis ich aus eigener Kraft wieder den Rückweg zum Strand antreten konnte. Danach wurde ich sehr krank, zog mir mehrere Virusinfektionen auf einmal zu und hatte genügend Zeit zum Nachdenken.


Ich hatte den Mut, mich von meinem Mann zu trennen und ein neues Leben anzufangen. Ein Jahr später – nachdem sich mein Leben wieder etwas beruhigt hatte - fuhr ich wieder an diesen magischen Ort – und erlebte dort einige kleine Abenteuer... Ich verliebte mich Hals über Kopf in einen 15 Jahre jüngeren Ägypter, musste ihn dort heiraten und beschloss, künftig nur noch meinen Träumen zu folgen, denn ich sah ein, das alles andere in diesem Leben keinen wahren Wert hat.


Das war wiederum ein großer Prozess für mich. Ich erzählte diese Story natürlich meinen Freunden und viele sagten mir, ich sollte diese Geschichte einmal aufschreiben, weil sie nicht alltäglich wäre und lustig genug, um andere Menschen damit zu unterhalten. Das habe ich gemacht und sie dann selbst veröffentlicht. Wiederum war das Feedback meiner Leser aus dem Bekanntenkreis so gut, dass ich beschloss, den nächsten Schritt auf meinem Lebensweg zu gehen und endlich das, was ich in den Jahren zuvor geschrieben hatte, endlich zu veröffentlichen. So gründete ich dann meinen kleinen Verlag, der mittlerweile schon 15 Titel aufweisen kann.


Was ist denn heute ihre generelle Botschaft an andere Menschen?


Lebe deine Träume! Es macht keinen Sinn, ein Leben zu führen, in dem der Spaßfaktor zu kurz kommt. Damit meine ich aber nicht, ständig nur in die Disko zu gehen oder sich vollaufen zu lassen, damit man Spaß hat. Nein, ich meine es in dem Sinne, den innersten Träumen, Sehnsüchten und Wünschen zu folgen, um diese früher oder später in die Tat umzusetzen.


Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass dieser Weg zwar meistens beschwerlicher ist, aber auch weit mehr Zufriedenheit mit sich bringt. Und das ist für mich ein wesentlicher Faktor, um gesund zu bleiben. Mir nützt es herzlich wenig, wenn ich einen ungeliebten Job ausübe, nur damit die Kohle stimmt...


Wenn ich mir vorstelle, dass ich damals in meinem Versicherungsjob mit einem sehr guten Gehalt geblieben wäre.. Nein, finanzielle Sicherheit ist zwar etwas Schönes, aber ich würde trotzdem niemals mehr tauschen! Auch wenn in freien Berufen ein Monat mal weniger Geld da ist und das Einkommen teilweise erheblich schwankt – ich tue, was mir Spaß macht, lebe meine Kreativität und bin zufriedener, als ich das je in einem ungeliebten Job sein würde.


(c) Conny Sander und Gudrun Anders, Aachen

Mittwoch, 18. November 2009

Artikel: Einfachheit ist nicht so leicht!

In unserer heutigen Welt kann man wirklich nicht mehr von Einfachheit reden. Braucht man eine neue Musikanlage, sollte man sich meistens den Techniker zur Einweisung dazu bestellen, damit man auch ja die umfangreiche Gebrauchsanweisung richtig versteht. Das gute, alte Telefon ist auch bald out, denn heute funktioniert das über das B1-Netz (oder wie immer das heißen mag...) oder per Fax. Und wer das Email noch nicht kennt, hat wohl die Hälfte der Welt verpennt...


Achtjährige Kids hantieren mit dem Super-Nova-Mega-Output-Nintendo besser als ein Spielsüchtiger am Flipperautomaten, und die Satellitenantenne muß auch installiert werden, damit jeden Abend 22 Programme gleichzeitig gesehen werden können (wie auch immer das gehen mag...).


Wir meinen, daß wir ja ach so  zivilisiert und fortschrittlich sind, und sehen nicht, daß wir dabei zurück gehen. Jeden Tag ein Stückchen mehr, wenn wir uns in dem Wusel der Möglichkeiten verstricken. Und dabei lachen wir dann noch über die Leute in Indien und anderen „armen“ Ländern dieser Erde, die von allen unseren ach so tollen Möglichkeiten keinen blassen Schimmer haben.


Dann gibt’s da aber auch die andere Möglichkeit, die einige von uns manchmal gern nachvollziehen möchten, um zum Beispiel wie Buddha zur Erleuchtung zu gelangen. Da muß doch was dran sein, sich selbst so zu kasteien, asketisch zu leben und den ganzen Tag unterm Baum zu meditieren... Vielleicht ist das der schnellste Weg nach oben, wenn man sich noch nicht ganz entschlossen hat, hier weg zu gehen.


Nun denn, ich bin auch einer dieser Typen, die (vorübergehend) die Nase von der materiellen Welt gestrichen voll hatten, bedeutet sie doch immer Kampf, Geld- und Existenznöte, Versagensängste, Erfolge und auch Niederlagen. Und da unterschrieb Leonard Orr seine an mich gerichteten Briefe immer mit „In Wahrheit, Einfachheit und Liebe“ – was mich natürlich ins Grübeln brachte. Und ich in meiner Einfachheit wollte seine Einfachheit kennenlernen und machte mich auf den Weg in die USA. Erschöpft nach 30 Stunden Flug- und Fahrtzeit dachte ich, in seinem Trainingszentrum ein komfortables Kuschelbettchen vorzufinden.


Haha, weit gefehlt, wie ich feststellen mußte – und wurde als aller erstes mit meiner westlichen Kompliziertheit konfrontiert. Da mußten wir uns zu Beginn des zehntägigen Trainings erst mal unsere eigenen Dhunis bauen... – ein kleines „Haus“ aus vier Pappwänden mit einem durchlässigen Pappdach, einer ziemlich harten Holzpritsche zum Schlafen und einer Feuerstelle in der Mitte.


Na, prima – so hatte ich mir die Einfachheit eigentlich nicht vorgestellt. Klar, daß dabei Gefühle von wegen „ich kriege nicht genug>“, „was soll das hier eigentlich werden?“, „da bezahl ich nun so viel Geld dafür...“ und so weiter an die Oberfläche kamen. Leonard in seiner Lockerheit grinste nur fröhlich und meinte: „Einfachheit ist gar nicht so einfach...“, und ließ mich mit meinen Gefühlen stehen – war ich doch ein geübter Atmer und konnte allein damit umgehen...


Nach einer Woche Einfachheit (leben im Dhuni, fasten, Karma-Yoga, tägliche Feuer- und Wasserrituale und anderes) wollte ich dann aus dieser Einfachheit gar nicht wieder heraus. Ich hatte gar keine Lust mehr, mich wieder an die vertechnologisierte Welt da draußen zu gewöhnen. Aber ich mußte, denn Einfachheit in der heutigen Welt hat ihren Preis...


Beendet war die Auseinandersetzung mit diesem Thema allerdings nicht, hatte sie doch weitreichende Konsequenzen für meinen Alltag mit sich gebracht – und es ist wirklich nicht so leicht, die Kompliziertheit wieder loszuwerden. Monatelang war ich in der einen oder anderen Form mit Einfachheit beschäftigt.


Unter anderem beschäftigte mich dann auch eine Verletzung am Fuß in Beziehung auf Einfachheit sehr. Zweieinhalb Jahre hatte ich von guten Ratschlägen über Homöopathie bis hin zu Hautärzten so einiges damit veranstaltet – ohne eine Besserung zu bewirken. Auch geistige Arbeit als letzte aller erkennbaren Möglichkeiten zeigte keinerlei Auswirkungen, und ich grübelte, was wohl Einfachheit auslösen könnte: Sollte ich nur noch dicke Socken tragen, oder lag die einfache Lösung des Problems woanders?


Einige Tage später unterhielt ich mich mit einer Kosmetikerin, die auch Fußpflegerin ist. Sie besah sich die Stelle, meinte, das wäre leicht behebbar, und wir machten einen Termin aus. Sie hantierte eine Dreiviertelstunde an meinem Fuß herum, und – siehe da! – ich konnte sofort wieder richtig laufen! Zuerst dachte ich an ein Wunder oder so was, hüpfte vor Freude wegen meiner wiedergewonnenen Fußfreiheit wie ein kleines Kind durch den Park.


Dann aber wurde mir klar, daß es ein Wunder war, daß ich endlich zu meiner Einfachheit durch einfaches Denken zurückgefunden hatte. Ich glaube, diese Lektion habe ich gelernt – und hoffe, daß ich bei der Einfachheit bleiben kann, was ja bekanntermaßen nicht ganz so einfach ist, wie es sich anhört... Morgen jedenfalls kaufe ich mir einen Geschirrspüler...


(c) Gudrun Anders, Aachen

Mittwoch, 11. November 2009

Kurzgeschichte: Der Tanga in der Waschmaschine

Eigentlich wollte ich mir nach einer etwas anstrengenden Woche einen ruhigen Samstag gönnen. Morgens ein wenig einkaufen, schnell die Wäsche waschen und am Nachmittag wollte ich am nahegelegenen Strand die Sonne genießen. Aber manchmal kommt es anders als man denkt...


Als ich nach meiner Wäsche sah, stand die Waschmaschine voller Wasser. Und auch nach drei Minuten des Abwartens tat sich nichts. Mehr als einmal drehte ich den Schalter auf "Spülen und schleudern" - aber die Waschmaschine stand still.


Ich wusste nicht, was ich tun sollte und rief in meiner Verzweiflung meinen Freund Peter an, der in solchen Dingen eigentlich immer einen passenden Rat wusste. "Das ist ja wohl kein Problem“, sagte er. "Da hat sich bestimmt was in der Pumpe festgesetzt. Das holen wir raus und dann kannst du ganz schnell an den Strand fahren."


Einige Minuten später war Peter mit Werkzeug bei mir und machte sich sogleich an die Arbeit. Mit einem Ruck zog er die Waschmaschine vor, um besser an die Schläuche zu gelangen und erwischte dabei die Halterung für den Heizkörper, so dass dieser aus der Wand herausriss.


"Das ist nicht weiter wild“, murmelte er, war aber doch sichtlich geknickt durch dieses Missgeschick. "Das bringe ich gleich wieder in Ordnung." Und ich wünschte mir bloß, dass er möglichst bald fertig werden würde, weil die Sonne mich so lockte.


Um an die Pumpe unterhalb der Waschmaschine gelangen zu können, mussten wir die Wäsche aus der Waschmaschine entfernen. Leicht angekippt öffneten wir die Maschine und ein Schwall Wasser ergoss sich in die Küche. Ich packte die tropfende Wäsche in einen Wäschekorb und versuchte schimpfend diesen ins Badezimmer zu bringen. Da der Korb Löcher an den Seiten hatte, zog ich eine Wasserspur hinter mir her.


Peter schraubte die Abwasserschläuche ab, kippte die Waschmaschine an, stellte einen Stein darunter und fing an, einige Schrauben zu lösen.


Während ich noch damit beschäftigt war, Eimer und Gefäße zusammen zu suchen, damit wir das Wasser auffangen konnten, schrie er plötzlich aus der Küche "Schüsseln, bring' mir Schüsseln! Schnell, schnell! Das Wasser läuft aus!"


So schnell ich konnte, nahm ich meine Eimer zur Hand, hetzte in die Küche und riss eine offene Flasche Malzbier vom Tisch, deren Inhalt sich in Windeseile auf Tischdecke und Teppich ergoss. Mir entglitt ein "Mist, verfluchter" und dann drückte ich Peter die Eimer in die Hand.


Aber der saß nur lachend vor der Waschmaschine, fing noch die letzten Tröpfchen auf und dann kullerten ihm die ersten Freudentränen langsam über seine Wange. "Zu spät“, meinte er und deutete mit seiner rechten Hand auf die Wasserlache, in der er es sich bequem gemacht hatte.


"Also, gut“, dachte ich. "Mein Teppich ist also auch noch hinüber. Was soll's. Hoffentlich komme ich noch rechtzeitig an den Strand."


Ich wischte das Wasser auf und legte einige Handtücher unter den Teppich, während Peter sich an der Pumpe zu schaffen machte.


Als ich den Eimer voller Wasser in der Spüle entleert hatte, schrie Peter auf. "Oh, nein ! Ich habe doch die Spüle abgerückt und die Rohre abgeschraubt!" Und im gleichen Moment tröpfelte das Wasser durch meinen Unterschrank von der Spüle, ergoss sich in das Geschirr und dann auf den - an dieser Stelle noch trockenen - Teppich.


Mittlerweile sehr missgelaunt wischte ich die Küche zum zweiten Mal und dachte sehnsüchtig an Sonne, Strand und Meer.


Peter grinste immer noch und sang immerzu den Werbespot eines Waschmittelherstellers, jedoch auf unsere Situation zugeschnitten: "Waschmaschinen waschen besser mit Humor".
Und damit brachte er mich erst richtig auf die Palme, unter der ich lieber in der Sonne gelegen hätte.


"Da ist ja der Übeltäter!" rief Peter nach einer Weile und hielt einen bunten Tanga-Slip von mir in die Höhe. "Vielleicht solltet ihr Frauen doch wieder auf die altbewährten, langbeinigen Unterhosen umsteigen“, meinte er und sein Grinsen ging von Ohr zu Ohr.


"Würdest du das etwa attraktiver finden?" fragte ich ihn, noch immer missgestimmt, weil ich schon lange in der Sonne schmoren wollte. "Nein, „ antwortete er, meinen Tanga betrachtend, "aber es würde weniger Überschwemmungen geben, denn die können die Pumpe nicht verstopfen." Und er prustete vor lachen.


Es vergingen noch einige Stunden, bis meine Küche wieder die gewohnte Ordnung hatte und für den Strand war es an diesem Tag zu spät. Aber während wir abends in einem kleinen, gemütlichen Restaurant eine Pizza aßen, kamen wir überein, dass wir - trotz aller Umstände - selten einen so lustigen Tag gehabt hatten.


(c) Gudrun Anders

Das Zitat des Tages: