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Montag, 30. November 2009

Kurzgeschichte: Advent, Advent - das Licht verpennt …

Vor einigen Tagen traf ich eine befreundete Heilpraktikerin zum Frühstück. Liebevoll hatte sie bereits unseren Frühstückstisch gedeckt, als ich eintraf. Es gab verschiedene Sorten Brot und Brötchen, Schokoladencroissants, Käse, Wurst, Marmelade und weich gekochte Eier. Dazu Kaffee, Tee und frisch gepressten Orangensaft.  Eine wahre Schlemmeroase tat sich vor mir auf.  Aber anstatt mich über dieses wunderbare Büffet zu freuen, verzog ich wohl ein bisschen das Gesicht.
 
„Irgendwas nicht in Ordnung?“ Sie schaute mich mit großen Augen fragend an.
 
„Nein, es ist wunderbar …“, brachte ich kleinlaut raus. Und nach kurzer Pause fuhr ich fort: „Es ist nur so, in den letzten Wochen hab ich 3 Kilo zugenommen. Seit es kälter wird, hab ich einfach mehr Hunger. Ich sollte also etwas vorsichtiger sein...“
 
„Du hast viel gearbeitet in den letzten Wochen, oder?“ fragte sie weiter, während sie mich auf meinen Stuhl bugsierte.
 
„Ja …“, meinte ich, setzte mich und starrte das verlockende Schokocroissant vor mir an, traute mich aber nicht, zuzugreifen.
 
„Warst du walken in letzter Zeit?“ Sie goss mir erst mal ungefragt meinen Lieblingscappuccino ein.
 
„Nein, wann denn? Wenn’s so früh dunkel ist, trau‘ ich mich in der Soers nicht über Stock und Stein und unbeleuchtete Feldwege …“ Ich nahm erst mal die Hälfte eines Vollkornbrötchens und schmierte hauchdünn Butter drauf. Ich schielte zur Himbeermarmelade, nahm dann aber doch einen fettreduzierten Käse und legte ihn mit einem Salatblatt oben drauf.
 
„Bist müde, oder?“ meinte meine Freundin und schmierte sich ein dickes Nutellabrot in das sie dann genüsslich rein biss, vor Verzückung die Augen verdrehte und besonders laut und demonstrativ „mmmhhhhh“ machte. Insgeheim fragte ich mich, wie dieses schmale Hemd das bloß machte, so gut auszusehen und so genüsslich zu essen.
 
Ich zog nen Mundwinkel hoch. Es war noch zu früh um dazu Widerworte zu geben. Stattdessen meinte ich: „Ich komme im Moment irgendwie nicht aus dem Quark, alles ist ziemlich schwer, könnte lange schlafen, bin immer müde …“ Und nach einem Bissen in mein Brötchen: „Vielleicht bin ich einfach Urlaubsreif …“ 
„Kann schon sein,“ entgegnete sie, noch immer kauend und mit einigen Nutella-Spuren mehr an den Mundwinkeln. „Ich würd’s erst mal mit mehr Licht versuchen …“
 
Und in diesem Moment dämmerte es mir. Logisch! Ich hatte den Winterblues erwischt und war in diesem Jahr drauf reingefallen, weil ich durch zu viel Arbeit mich auch zu wenig um mich selbst kümmerte. Ich starrte sie einen Augenblick lang sprachlos an. Und musste mir dann eingestehen, dass sie recht hatte.
 
Wir sprachen einen Augenblick über die Symptome, die zum „Winterblues“ führten  und beschlossen, uns nach dem Frühstück eine Runde „Lichttherapie“ in der Außenwelt zu gönnen und einen kurzen Spaziergang zu machen.
 
Um’s kurz zu machen und Sie / Euch nicht zu langweilen – ich hab das Schoko-Croissant noch gegessen und mir vorgenommen, jeden Mittag eine Weile an die frische Luft zu gehen und Licht zu tanken, um den Trübsal-blasen-Stimmungen den Garaus zu machen. Ich bestellte mir noch ein gutes Vitamin-Kombi-Präparat und benutze meine Lieblingsaura-Soma-Flasche, die viel gelb enthält. Und ich glaube, jetzt komme ich gut und ohne Blues – höchstens aus dem Radio … - durch den Winter.
 
Und – was Sie / ihr heute am ersten Advent macht, das weiß ich nicht, ich jedenfalls gehe jetzt walken und nutze die fünf Sonnenstrahlen aus! Das heimelige Kerzenlicht ist dann heute Abend dran!
 
Eine schöne Adventszeit wünscht Ihnen / Euch
Eure
Gudrun

Sonntag, 22. November 2009

Alles Märchen ? Ein Interview mit der Autorin Gudrun Anders

Die Aachener Heilpraktikerin und Autorin Gudrun Anders schreibt sich mit Märchen die Seele frei. Wir haben sie besucht und wollten wissen, ob das alles Märchen sind oder Realität.


Frau Anders, wie kommt es, dass ein Mensch, der mit beiden Beinen auf der Erde steht, Märchen schreibt? Und: Wie hat das alles für Sie begonnen?


Es begann vor etwa 18 Jahren. Ich war damals in einem Versicherungsbüro angestellt und hatte keine glückliche Zeit. Meine Mutter litt an Alzheimer, mein Vater hatte Depressionen und ich hatte gerade eine Gebärmutter-OP und die Trennung von meinem langjährigen Freund hinter mir. Ich wusste damals nicht mehr weiter.

Eines Tages saß ich an meinem Schreibtisch, schaute träumend auf die Wiesen hinaus und sah einen Engel. Glauben Sie mir, ich war sehr verdutzt! Auch nachdem ich mir die Augen gerieben hatte, war der immer noch da. Dann hörte ich eine Stimme, die mir sagte, dass ich schreiben soll. Ich war noch verdutzter, suchte überall danach, ob mir jemand einen Streich spielen wollte. Es war aber niemand da.


In Panik wollte ich den Notdienst rufen, aber meine Hand erreichte den Telefonhörer nicht, sie blieb einfach wie festgenagelt in der Luft schweben. Ich hörte diese Stimme noch mal und schrieb dann, fast wie in Trance, ein Märchen. Das ist jetzt wie gesagt, gut 14 Jahre her. Ich habe dann einige hundert Märchen geschrieben und festgestellt, dass es mir nach dem Schreiben eines Märchens viel besser ging.


Was hat sich denn konkret für sie geändert? Wie haben die Märchen bei Ihnen gewirkt?


Zunächst einmal fühlte ich mich mit jedem Märchen, dass ich schrieb, entspannter, nicht mehr so ängstlich. Meine Zuversicht und mein Vertrauen in das Leben stieg wieder. Damals wusste ich nicht, woher ich dieses Vertrauen nahm, denn im täglichen Leben konnte ich das aufgrund meiner Lebensumstände nicht fühlen.


Heute weiß ich, dass ich damals so durcheinander war, dass ich gut therapeutische Hilfe in Anspruch hätte nehmen können. Aber die Märchen haben mir dieses erspart. Ich habe einen großen Teil der notwendigen Therapie durch das Schreiben der Märchen selbst vorgenommen.


Ich habe einen spirituellen Anteil in mir etabliert, der heute aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Ich habe mein Herz wieder entdeckt und höre seitdem nicht mehr so auf meinen Kopf. Das stellte dann mein ganzes Leben auf den Kopf. Aus der Versicherungskauffrau wurde eine esoterische Buchhändlerin, später habe ich eine Ausbildung zur Heilpraktikerin gemacht.

Können Märchen heilen helfen?



Ich denke ja! Ich bin ein lebendes Beispiel dafür, dass Märchen ein Heilpotential inne wohnt. Ohne die Märchen würde es mich heute wahrscheinlich nicht mehr geben... Ich hätte mir damals das Leben genommen, denn ich habe aus meinem bewussten Verstand heraus keinen Ausweg mehr gesehen.


Mit dem Schreiben der Märchen aber kam wieder ein Teil in mir zum Vorschein, der bis dahin verschüttet gewesen war. Ich nenne es den spirituellen Anteil, der in jedem Menschen zu finden ist. Man könnte auch sagen, der Zugang zum Herz wurde wieder geheilt.


Vielleicht kann man eine Parallele ziehen zu Phantasiereisen, bei denen das Unbewusste in Form von Bildern angesprochen wird. Nur hierbei werden von Außen Bilder vorgegeben, denen der Geist dann folgt. Beim Märchenschreiben ist es anders herum. Ich gebe meinen inneren Bildern ausdruckt und zapfe sozusagen mein eigenes Heilungspotential an. Ich gebe mir selbst die Möglichkeit, Gefühle auszudrücken, die sonst kein Ventil gefunden haben. Darin liegt für mich einer der Schlüssel zur Heilung.


Sie haben eine Reihe von Büchern veröffentlicht. Wie kam es dazu?


Nun, die Märchen habe ich eigentlich nur für mich geschrieben und sie viele Jahre im Aktenordner oder im PC gehütet, weil ich dachte, das sie so privat seien, dass sie in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hätten. Ich habe mittlerweile meine Einstellung dazu geändert.


Der Grund dafür sind die vielen Menschen, die mir ein sehr positives Feedback zu den Märchen gaben. Die Menschen weinten, entdeckten ihre eigene Seelenweisheit durch die Märchen wieder und meinten, ich sollte doch ein Buch daraus machen, damit auch andere Menschen daran teilhaben können. Und nach und nach fand ich dann den Mut, auch Gedichte zu veröffentlichen und mein Buch über Rebirthing auf den Markt zu bringen, da diese Form der spirituellen Atemtherapie nach den Märchen ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu mir selbst darstellte.


Warum war Rebirthing für sie so wichtig?


Nachdem ich mich einige Jahre intensiv mit Märchentherapie beschäftigt hatte, dachte ich, auf meinem Weg schon sehr weit gekommen zu sein. Aber mich beschäftigte, wie ich noch tiefer in mich eindringen konnte. Vielleicht liegt das an meinem Sternzeichen – ich bin ein Doppelskorpion und habe immer irgendwie das Bedürfnis, ganz tief in die Dinge einzutauchen.


Nun, an diesem Punkt in meinem Leben kam Rebirthing auf mich zu und zeigte mir, dass durch einfaches Atmen intensive Glücksgefühle hervor rufbar sind. Gefühle, die über die Ruhe, die durch das Schreiben eines Märchens einkehrt, weit hinaus gehen. Spirituelle Erfahrungen der Einheit mit allem, des absoluten tiefen Vertrauens sind nach Rebirthingsitzungen keine Seltenheit, das habe ich in den letzten zehn Jahren an mir und Hunderten von Klienten erfahren dürfen.


Leider haben viele Menschen Angst vor Rebirthing. Ich kann das verstehen, denn es erfordert eine sehr intensive Auseinandersetzung mit den eigenen negativen Strukturen, den eigenen Egofallen und Glaubenssätzen, die uns hindern, vollkommen wir selbst zu sein. Klar, macht das Angst – aber die Auseinandersetzung damit bringt letztlich die Befreiung, die wir uns in unserem Inneren erträumen und ersehnen. Wer sich aber einmal an seine negativen Gefühle herangetraut und die Heilkraft erfahren hat, der wird diesen Weg – hoffentlich! – immer wieder gehen. Ich wünsche mir, dass viele Menschen süchtig nach Atmen sind und nicht nach Drogen oder Alkohol, dass würde wesentlich mehr Sinn machen, weniger kosten und zudem heilsam sein, statt die Gesundheit zu ruinieren. Aber das ist bislang ein Märchen, dass noch in die Realität umgesetzt werden muss...


Ist es auch ein Märchen, dass Sie durch einen Delphin, mit dem Sie geschwommen sind, ebenfalls einen Heilungsprozess durchlaufen haben?


Nein, das ist ausnahmsweise kein Märchen, sondern tatsächlich so geschehen. Ich war vor rund zweieinhalb Jahren mit einer Freundin, die Delphine auch so liebt wie ich, in Sinai, um dort mit Delphinen zu schwimmen. In der Anwesenheit des Delphins und der Magie dieses kleinen, abgeschiedenen Beduinendorfes in der Wüste, ist mir bewusst geworden, dass ich – wieder einmal – auf dem falschen Weg in meinem Leben bin. Ohne es bewusst zu merken, war ich wieder einmal leicht suizidal, denn ich wollte aus einer Ehe heraus, die mich nicht mehr befriedigte, nur wusste ich nicht wie ich das bewerkstelligen soll.


Als ich einmal beim Schwimmen meine Kräfte völlig überschätzte und voller Panik auf dem offenen Meer trieb, kam dieser Delphin zu mir, sah mich an und wartete ab, bis ich aus eigener Kraft wieder den Rückweg zum Strand antreten konnte. Danach wurde ich sehr krank, zog mir mehrere Virusinfektionen auf einmal zu und hatte genügend Zeit zum Nachdenken.


Ich hatte den Mut, mich von meinem Mann zu trennen und ein neues Leben anzufangen. Ein Jahr später – nachdem sich mein Leben wieder etwas beruhigt hatte - fuhr ich wieder an diesen magischen Ort – und erlebte dort einige kleine Abenteuer... Ich verliebte mich Hals über Kopf in einen 15 Jahre jüngeren Ägypter, musste ihn dort heiraten und beschloss, künftig nur noch meinen Träumen zu folgen, denn ich sah ein, das alles andere in diesem Leben keinen wahren Wert hat.


Das war wiederum ein großer Prozess für mich. Ich erzählte diese Story natürlich meinen Freunden und viele sagten mir, ich sollte diese Geschichte einmal aufschreiben, weil sie nicht alltäglich wäre und lustig genug, um andere Menschen damit zu unterhalten. Das habe ich gemacht und sie dann selbst veröffentlicht. Wiederum war das Feedback meiner Leser aus dem Bekanntenkreis so gut, dass ich beschloss, den nächsten Schritt auf meinem Lebensweg zu gehen und endlich das, was ich in den Jahren zuvor geschrieben hatte, endlich zu veröffentlichen. So gründete ich dann meinen kleinen Verlag, der mittlerweile schon 15 Titel aufweisen kann.


Was ist denn heute ihre generelle Botschaft an andere Menschen?


Lebe deine Träume! Es macht keinen Sinn, ein Leben zu führen, in dem der Spaßfaktor zu kurz kommt. Damit meine ich aber nicht, ständig nur in die Disko zu gehen oder sich vollaufen zu lassen, damit man Spaß hat. Nein, ich meine es in dem Sinne, den innersten Träumen, Sehnsüchten und Wünschen zu folgen, um diese früher oder später in die Tat umzusetzen.


Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass dieser Weg zwar meistens beschwerlicher ist, aber auch weit mehr Zufriedenheit mit sich bringt. Und das ist für mich ein wesentlicher Faktor, um gesund zu bleiben. Mir nützt es herzlich wenig, wenn ich einen ungeliebten Job ausübe, nur damit die Kohle stimmt...


Wenn ich mir vorstelle, dass ich damals in meinem Versicherungsjob mit einem sehr guten Gehalt geblieben wäre.. Nein, finanzielle Sicherheit ist zwar etwas Schönes, aber ich würde trotzdem niemals mehr tauschen! Auch wenn in freien Berufen ein Monat mal weniger Geld da ist und das Einkommen teilweise erheblich schwankt – ich tue, was mir Spaß macht, lebe meine Kreativität und bin zufriedener, als ich das je in einem ungeliebten Job sein würde.


(c) Conny Sander und Gudrun Anders, Aachen

Mittwoch, 18. November 2009

Artikel: Einfachheit ist nicht so leicht!

In unserer heutigen Welt kann man wirklich nicht mehr von Einfachheit reden. Braucht man eine neue Musikanlage, sollte man sich meistens den Techniker zur Einweisung dazu bestellen, damit man auch ja die umfangreiche Gebrauchsanweisung richtig versteht. Das gute, alte Telefon ist auch bald out, denn heute funktioniert das über das B1-Netz (oder wie immer das heißen mag...) oder per Fax. Und wer das Email noch nicht kennt, hat wohl die Hälfte der Welt verpennt...


Achtjährige Kids hantieren mit dem Super-Nova-Mega-Output-Nintendo besser als ein Spielsüchtiger am Flipperautomaten, und die Satellitenantenne muß auch installiert werden, damit jeden Abend 22 Programme gleichzeitig gesehen werden können (wie auch immer das gehen mag...).


Wir meinen, daß wir ja ach so  zivilisiert und fortschrittlich sind, und sehen nicht, daß wir dabei zurück gehen. Jeden Tag ein Stückchen mehr, wenn wir uns in dem Wusel der Möglichkeiten verstricken. Und dabei lachen wir dann noch über die Leute in Indien und anderen „armen“ Ländern dieser Erde, die von allen unseren ach so tollen Möglichkeiten keinen blassen Schimmer haben.


Dann gibt’s da aber auch die andere Möglichkeit, die einige von uns manchmal gern nachvollziehen möchten, um zum Beispiel wie Buddha zur Erleuchtung zu gelangen. Da muß doch was dran sein, sich selbst so zu kasteien, asketisch zu leben und den ganzen Tag unterm Baum zu meditieren... Vielleicht ist das der schnellste Weg nach oben, wenn man sich noch nicht ganz entschlossen hat, hier weg zu gehen.


Nun denn, ich bin auch einer dieser Typen, die (vorübergehend) die Nase von der materiellen Welt gestrichen voll hatten, bedeutet sie doch immer Kampf, Geld- und Existenznöte, Versagensängste, Erfolge und auch Niederlagen. Und da unterschrieb Leonard Orr seine an mich gerichteten Briefe immer mit „In Wahrheit, Einfachheit und Liebe“ – was mich natürlich ins Grübeln brachte. Und ich in meiner Einfachheit wollte seine Einfachheit kennenlernen und machte mich auf den Weg in die USA. Erschöpft nach 30 Stunden Flug- und Fahrtzeit dachte ich, in seinem Trainingszentrum ein komfortables Kuschelbettchen vorzufinden.


Haha, weit gefehlt, wie ich feststellen mußte – und wurde als aller erstes mit meiner westlichen Kompliziertheit konfrontiert. Da mußten wir uns zu Beginn des zehntägigen Trainings erst mal unsere eigenen Dhunis bauen... – ein kleines „Haus“ aus vier Pappwänden mit einem durchlässigen Pappdach, einer ziemlich harten Holzpritsche zum Schlafen und einer Feuerstelle in der Mitte.


Na, prima – so hatte ich mir die Einfachheit eigentlich nicht vorgestellt. Klar, daß dabei Gefühle von wegen „ich kriege nicht genug>“, „was soll das hier eigentlich werden?“, „da bezahl ich nun so viel Geld dafür...“ und so weiter an die Oberfläche kamen. Leonard in seiner Lockerheit grinste nur fröhlich und meinte: „Einfachheit ist gar nicht so einfach...“, und ließ mich mit meinen Gefühlen stehen – war ich doch ein geübter Atmer und konnte allein damit umgehen...


Nach einer Woche Einfachheit (leben im Dhuni, fasten, Karma-Yoga, tägliche Feuer- und Wasserrituale und anderes) wollte ich dann aus dieser Einfachheit gar nicht wieder heraus. Ich hatte gar keine Lust mehr, mich wieder an die vertechnologisierte Welt da draußen zu gewöhnen. Aber ich mußte, denn Einfachheit in der heutigen Welt hat ihren Preis...


Beendet war die Auseinandersetzung mit diesem Thema allerdings nicht, hatte sie doch weitreichende Konsequenzen für meinen Alltag mit sich gebracht – und es ist wirklich nicht so leicht, die Kompliziertheit wieder loszuwerden. Monatelang war ich in der einen oder anderen Form mit Einfachheit beschäftigt.


Unter anderem beschäftigte mich dann auch eine Verletzung am Fuß in Beziehung auf Einfachheit sehr. Zweieinhalb Jahre hatte ich von guten Ratschlägen über Homöopathie bis hin zu Hautärzten so einiges damit veranstaltet – ohne eine Besserung zu bewirken. Auch geistige Arbeit als letzte aller erkennbaren Möglichkeiten zeigte keinerlei Auswirkungen, und ich grübelte, was wohl Einfachheit auslösen könnte: Sollte ich nur noch dicke Socken tragen, oder lag die einfache Lösung des Problems woanders?


Einige Tage später unterhielt ich mich mit einer Kosmetikerin, die auch Fußpflegerin ist. Sie besah sich die Stelle, meinte, das wäre leicht behebbar, und wir machten einen Termin aus. Sie hantierte eine Dreiviertelstunde an meinem Fuß herum, und – siehe da! – ich konnte sofort wieder richtig laufen! Zuerst dachte ich an ein Wunder oder so was, hüpfte vor Freude wegen meiner wiedergewonnenen Fußfreiheit wie ein kleines Kind durch den Park.


Dann aber wurde mir klar, daß es ein Wunder war, daß ich endlich zu meiner Einfachheit durch einfaches Denken zurückgefunden hatte. Ich glaube, diese Lektion habe ich gelernt – und hoffe, daß ich bei der Einfachheit bleiben kann, was ja bekanntermaßen nicht ganz so einfach ist, wie es sich anhört... Morgen jedenfalls kaufe ich mir einen Geschirrspüler...


(c) Gudrun Anders, Aachen

Mittwoch, 11. November 2009

Kurzgeschichte: Der Tanga in der Waschmaschine

Eigentlich wollte ich mir nach einer etwas anstrengenden Woche einen ruhigen Samstag gönnen. Morgens ein wenig einkaufen, schnell die Wäsche waschen und am Nachmittag wollte ich am nahegelegenen Strand die Sonne genießen. Aber manchmal kommt es anders als man denkt...


Als ich nach meiner Wäsche sah, stand die Waschmaschine voller Wasser. Und auch nach drei Minuten des Abwartens tat sich nichts. Mehr als einmal drehte ich den Schalter auf "Spülen und schleudern" - aber die Waschmaschine stand still.


Ich wusste nicht, was ich tun sollte und rief in meiner Verzweiflung meinen Freund Peter an, der in solchen Dingen eigentlich immer einen passenden Rat wusste. "Das ist ja wohl kein Problem“, sagte er. "Da hat sich bestimmt was in der Pumpe festgesetzt. Das holen wir raus und dann kannst du ganz schnell an den Strand fahren."


Einige Minuten später war Peter mit Werkzeug bei mir und machte sich sogleich an die Arbeit. Mit einem Ruck zog er die Waschmaschine vor, um besser an die Schläuche zu gelangen und erwischte dabei die Halterung für den Heizkörper, so dass dieser aus der Wand herausriss.


"Das ist nicht weiter wild“, murmelte er, war aber doch sichtlich geknickt durch dieses Missgeschick. "Das bringe ich gleich wieder in Ordnung." Und ich wünschte mir bloß, dass er möglichst bald fertig werden würde, weil die Sonne mich so lockte.


Um an die Pumpe unterhalb der Waschmaschine gelangen zu können, mussten wir die Wäsche aus der Waschmaschine entfernen. Leicht angekippt öffneten wir die Maschine und ein Schwall Wasser ergoss sich in die Küche. Ich packte die tropfende Wäsche in einen Wäschekorb und versuchte schimpfend diesen ins Badezimmer zu bringen. Da der Korb Löcher an den Seiten hatte, zog ich eine Wasserspur hinter mir her.


Peter schraubte die Abwasserschläuche ab, kippte die Waschmaschine an, stellte einen Stein darunter und fing an, einige Schrauben zu lösen.


Während ich noch damit beschäftigt war, Eimer und Gefäße zusammen zu suchen, damit wir das Wasser auffangen konnten, schrie er plötzlich aus der Küche "Schüsseln, bring' mir Schüsseln! Schnell, schnell! Das Wasser läuft aus!"


So schnell ich konnte, nahm ich meine Eimer zur Hand, hetzte in die Küche und riss eine offene Flasche Malzbier vom Tisch, deren Inhalt sich in Windeseile auf Tischdecke und Teppich ergoss. Mir entglitt ein "Mist, verfluchter" und dann drückte ich Peter die Eimer in die Hand.


Aber der saß nur lachend vor der Waschmaschine, fing noch die letzten Tröpfchen auf und dann kullerten ihm die ersten Freudentränen langsam über seine Wange. "Zu spät“, meinte er und deutete mit seiner rechten Hand auf die Wasserlache, in der er es sich bequem gemacht hatte.


"Also, gut“, dachte ich. "Mein Teppich ist also auch noch hinüber. Was soll's. Hoffentlich komme ich noch rechtzeitig an den Strand."


Ich wischte das Wasser auf und legte einige Handtücher unter den Teppich, während Peter sich an der Pumpe zu schaffen machte.


Als ich den Eimer voller Wasser in der Spüle entleert hatte, schrie Peter auf. "Oh, nein ! Ich habe doch die Spüle abgerückt und die Rohre abgeschraubt!" Und im gleichen Moment tröpfelte das Wasser durch meinen Unterschrank von der Spüle, ergoss sich in das Geschirr und dann auf den - an dieser Stelle noch trockenen - Teppich.


Mittlerweile sehr missgelaunt wischte ich die Küche zum zweiten Mal und dachte sehnsüchtig an Sonne, Strand und Meer.


Peter grinste immer noch und sang immerzu den Werbespot eines Waschmittelherstellers, jedoch auf unsere Situation zugeschnitten: "Waschmaschinen waschen besser mit Humor".
Und damit brachte er mich erst richtig auf die Palme, unter der ich lieber in der Sonne gelegen hätte.


"Da ist ja der Übeltäter!" rief Peter nach einer Weile und hielt einen bunten Tanga-Slip von mir in die Höhe. "Vielleicht solltet ihr Frauen doch wieder auf die altbewährten, langbeinigen Unterhosen umsteigen“, meinte er und sein Grinsen ging von Ohr zu Ohr.


"Würdest du das etwa attraktiver finden?" fragte ich ihn, noch immer missgestimmt, weil ich schon lange in der Sonne schmoren wollte. "Nein, „ antwortete er, meinen Tanga betrachtend, "aber es würde weniger Überschwemmungen geben, denn die können die Pumpe nicht verstopfen." Und er prustete vor lachen.


Es vergingen noch einige Stunden, bis meine Küche wieder die gewohnte Ordnung hatte und für den Strand war es an diesem Tag zu spät. Aber während wir abends in einem kleinen, gemütlichen Restaurant eine Pizza aßen, kamen wir überein, dass wir - trotz aller Umstände - selten einen so lustigen Tag gehabt hatten.


(c) Gudrun Anders

Das Zitat des Tages: