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Mittwoch, 11. November 2009

Kurzgeschichte: Der Tanga in der Waschmaschine

Eigentlich wollte ich mir nach einer etwas anstrengenden Woche einen ruhigen Samstag gönnen. Morgens ein wenig einkaufen, schnell die Wäsche waschen und am Nachmittag wollte ich am nahegelegenen Strand die Sonne genießen. Aber manchmal kommt es anders als man denkt...


Als ich nach meiner Wäsche sah, stand die Waschmaschine voller Wasser. Und auch nach drei Minuten des Abwartens tat sich nichts. Mehr als einmal drehte ich den Schalter auf "Spülen und schleudern" - aber die Waschmaschine stand still.


Ich wusste nicht, was ich tun sollte und rief in meiner Verzweiflung meinen Freund Peter an, der in solchen Dingen eigentlich immer einen passenden Rat wusste. "Das ist ja wohl kein Problem“, sagte er. "Da hat sich bestimmt was in der Pumpe festgesetzt. Das holen wir raus und dann kannst du ganz schnell an den Strand fahren."


Einige Minuten später war Peter mit Werkzeug bei mir und machte sich sogleich an die Arbeit. Mit einem Ruck zog er die Waschmaschine vor, um besser an die Schläuche zu gelangen und erwischte dabei die Halterung für den Heizkörper, so dass dieser aus der Wand herausriss.


"Das ist nicht weiter wild“, murmelte er, war aber doch sichtlich geknickt durch dieses Missgeschick. "Das bringe ich gleich wieder in Ordnung." Und ich wünschte mir bloß, dass er möglichst bald fertig werden würde, weil die Sonne mich so lockte.


Um an die Pumpe unterhalb der Waschmaschine gelangen zu können, mussten wir die Wäsche aus der Waschmaschine entfernen. Leicht angekippt öffneten wir die Maschine und ein Schwall Wasser ergoss sich in die Küche. Ich packte die tropfende Wäsche in einen Wäschekorb und versuchte schimpfend diesen ins Badezimmer zu bringen. Da der Korb Löcher an den Seiten hatte, zog ich eine Wasserspur hinter mir her.


Peter schraubte die Abwasserschläuche ab, kippte die Waschmaschine an, stellte einen Stein darunter und fing an, einige Schrauben zu lösen.


Während ich noch damit beschäftigt war, Eimer und Gefäße zusammen zu suchen, damit wir das Wasser auffangen konnten, schrie er plötzlich aus der Küche "Schüsseln, bring' mir Schüsseln! Schnell, schnell! Das Wasser läuft aus!"


So schnell ich konnte, nahm ich meine Eimer zur Hand, hetzte in die Küche und riss eine offene Flasche Malzbier vom Tisch, deren Inhalt sich in Windeseile auf Tischdecke und Teppich ergoss. Mir entglitt ein "Mist, verfluchter" und dann drückte ich Peter die Eimer in die Hand.


Aber der saß nur lachend vor der Waschmaschine, fing noch die letzten Tröpfchen auf und dann kullerten ihm die ersten Freudentränen langsam über seine Wange. "Zu spät“, meinte er und deutete mit seiner rechten Hand auf die Wasserlache, in der er es sich bequem gemacht hatte.


"Also, gut“, dachte ich. "Mein Teppich ist also auch noch hinüber. Was soll's. Hoffentlich komme ich noch rechtzeitig an den Strand."


Ich wischte das Wasser auf und legte einige Handtücher unter den Teppich, während Peter sich an der Pumpe zu schaffen machte.


Als ich den Eimer voller Wasser in der Spüle entleert hatte, schrie Peter auf. "Oh, nein ! Ich habe doch die Spüle abgerückt und die Rohre abgeschraubt!" Und im gleichen Moment tröpfelte das Wasser durch meinen Unterschrank von der Spüle, ergoss sich in das Geschirr und dann auf den - an dieser Stelle noch trockenen - Teppich.


Mittlerweile sehr missgelaunt wischte ich die Küche zum zweiten Mal und dachte sehnsüchtig an Sonne, Strand und Meer.


Peter grinste immer noch und sang immerzu den Werbespot eines Waschmittelherstellers, jedoch auf unsere Situation zugeschnitten: "Waschmaschinen waschen besser mit Humor".
Und damit brachte er mich erst richtig auf die Palme, unter der ich lieber in der Sonne gelegen hätte.


"Da ist ja der Übeltäter!" rief Peter nach einer Weile und hielt einen bunten Tanga-Slip von mir in die Höhe. "Vielleicht solltet ihr Frauen doch wieder auf die altbewährten, langbeinigen Unterhosen umsteigen“, meinte er und sein Grinsen ging von Ohr zu Ohr.


"Würdest du das etwa attraktiver finden?" fragte ich ihn, noch immer missgestimmt, weil ich schon lange in der Sonne schmoren wollte. "Nein, „ antwortete er, meinen Tanga betrachtend, "aber es würde weniger Überschwemmungen geben, denn die können die Pumpe nicht verstopfen." Und er prustete vor lachen.


Es vergingen noch einige Stunden, bis meine Küche wieder die gewohnte Ordnung hatte und für den Strand war es an diesem Tag zu spät. Aber während wir abends in einem kleinen, gemütlichen Restaurant eine Pizza aßen, kamen wir überein, dass wir - trotz aller Umstände - selten einen so lustigen Tag gehabt hatten.


(c) Gudrun Anders

Das Zitat des Tages: