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Mittwoch, 23. Dezember 2009

Kurzgeschichte: Jeden Tag anders sein!

oder: 

Wie mein Name zu meinem Lebensinhalt wurde

Glauben Sie mir, bitte, für mich war es eine ungeheure Strafe mit dem Namen „Anders“ geboren worden zu sein!
 
Nicht nur, das ich es als Kind hasste, immer die Erste in der Namensliste meiner Klassenkameraden zu sein, nein, auch die vielen Späßchen, die mit diesem Namen getrieben wurden, hingen mir schon sehr früh in meinem Leben - im wahrsten Sinne des Wortes - aus dem Hals heraus. Nämlich immer dann, wenn wieder einmal ein Spaßvogel auf meine Kosten seine Witzchen treiben wollte: „Na, wie heißen wir denn heute? Anders als gestern?“

Oder: „Oh, du heißt anders. Ich auch. Und wie heißt du denn nun?“ Blöde Frage... - „Ich heiße Anders!“ Und dann die noch blödere Antwort: „Ja, das hab’ ich schon verstanden, ich wollte ja auch wissen, wie du wirklich heißt!“

„Ich heiße wirklich Anders. Anders groß geschrieben natürlich...“ „Ach, so. Sag doch gleich, dass du anders heißt, Anders!“ Würg... – denn nach dem einhundertundeinten Mal kann man – selbst als Gemütsmensch mit einer riesigen Portion Geduld – diese blöden Sprüche nicht mehr hören.

Jedes Mal, wenn mich als Teenager jemand auf meinen Namen ansprach, würgte ich das sich anbahnende Gespräch bereits im Vorwege ab: „Ich weiß, was du sagen willst... – Ich hab mir den Namen auch nicht ausgesucht. Ich heiße eben so und nicht anders – und damit basta!“ Die meisten gingen mit einem verschämten Kichern und einer Bemerkung wie etwa: „Frau Anders ist wieder ganz anders heute“ davon...

Ein wenig anders (schon wieder dieses Wort...) wurde es, als ich in jüngeren Jahren mit einem Freund eine Fahrradtour durch die deutschen Lande machte. Wir radelten fröhlich und beschwingt durch ein ruhiges, verträumtes Örtchen, als mein Blick plötzlich auf ein kleines, am Ortsrand gelegenes, Geschäft fiel. Ein richtiger kleiner „Tante-Emma-Laden“ mit vielen Geschenkartikeln in der Auslage. In großen Lettern stand dort am Schaufenster etwas, was ich lange bewundernd ansah. Ich konnte meinen Blick kaum noch von den roten Leuchtbuchstaben abwenden: „ANDERS ALS ANDERE!“

Irgendwo tief in meinem Inneren regte sich in diesem Moment etwas, was ich nie zuvor gefühlt hatte. Ein neuer, nie zuvor gedachter Gedanke schlich sich langsam, aber sehr kraftvoll, in meine schier endlosen Gehirnwindungen hinein: „Da gab es offenbar Menschen, die das Anders-Sein akzeptieren konnten! Mehr noch: Sie warben sogar noch öffentlich damit!“

Ich war ziemlich sprachlos ob dieser - für mich - neuen Sichtweise der Dinge und verbrachte den Rest des sommerlichen Nachmittags mit Grübeleien über das Für und Wider meines Namens.

Vielleicht sollte ich aus meiner Last eine Stärke für mich machen! Vielleicht sollte ich einfach meine Taktik ändern und mich nicht mehr über dumme Sprüche bezüglich meines Namens aufregen, sondern endlich anfangen, den Namen zu akzeptieren und das Beste daraus machen! Vielleicht sollte ich einfach dazu stehen, anders zu sein und es auch genießen!

Nun, ganz so einfach ist das natürlich nicht. Meistens ist es leichter gesagt als umgesetzt. Und abgesehen davon, dass ich meine guten Vorsätze schon wenig später fast wieder vergessen hatte, wurde das Ganze ja auch nicht von allein besser. Ich musste aktiv an der Umgestaltung mitwirken, wenn ich etwas bewirken wollte!

Bei darauf folgenden Anders-Zwischenfällen erinnerte sich ein kleiner Teil in mir daran, dass ich die Sache anders (...) sehen wollte. Ich versuchte künftig meine Wut über das Anders-Sein und die blöden Wortspielereien runter zu schlucken und konterte geschickt: „Nicht viele haben das Glück, anders sein zu dürfen! Ich jedenfalls habe es!“

Das ich mich erst nach vielen Versuchen auch wirklich gut damit fühlte, muss ich, glaube ich, nicht erst erwähnen. Es dauerte seine Zeit, bis es auch bei mir mehr als nur ein dahin gesagter Spruch war und ich wirklich tief in mir fühlte, was ich sagte.

Viele Jahre später lernte ich meinen ersten Mann kennen – und mit ihm einen Menschen, der ebenfalls mit seinem Namen zu kämpfen hatte, denn wer, bitte, versteht schon „Parnefjord“ aus dem Mund eines eingedeutschten Schweden richtig?

Ich weiß heute nicht mehr, wie viele unzählige Male dieser Name von meinem damaligen Mann buchstabiert worden ist, damit das verständnislose Gegenüber die kleine Chance bekam, wenigstens ein bisschen zu verstehen, wie er hieß, aber es war wirklich oft, sehr oft!

Als wir heiraten wollten und uns Gedanken darüber machten, wie ich nach der Hochzeit heißen würde, geriet ich allerdings in ein unerwartetes emotionales Dilemma. Hätte ich mich Jahre zuvor noch spontan entschieden, meinen Namen sofort und unwiderruflich auf den Namen meines zukünftigen Mannes – egal, welchen Namen dieser auch tragen mochte... - zu ändern, so bot mir mein zukünftiger Ehename nicht wirklich eine angenehme und akzeptable Alternative. Oder um es korrekter auszudrücken: Dieser Name war definitiv KEINE Alternative zu dem, was ich bisher hatte.
War es wirklich besser „Parnefjord“ zu heißen als anders?(Entschuldigen Sie bitte diesen Tippfehler, hier muss „anders“ natürlich groß geschrieben werden... Ich lasse ihn nur deshalb stehen, damit Sie auch wirklich ein Gefühl dafür bekommen, wie ausgesprochen blöd es ist, Anders - anders - zu heißen...)

Nach einigen Wochen Bedenkzeit entschied ich mich dafür, meinen Nachnamen auf Anders-Parnefjord zu ändern. Mittlerweile war mir der Name „Anders“ doch so ans Herz gewachsen, dass ich ihn nicht mehr aufgeben konnte – und das trotz der vielen Späßchen, die damit getrieben wurden. Der Gewöhnungspegel daran war in mehr als 28 Jahren doch ziemlich gewachsen. Und das Parnefjord-Spielchen des ewigen Buchstabierens wollte ich ebenfalls nicht spielen. Zumindest, so dachte ich, würden die Menschen nun endlich begreifen, dass ich einen vernünftigen Nachnamen habe und Ihre Witzchen darüber lassen.

Allerdings hatte ich nicht mit der Kreativität der Menschen gerechnet... Zwar ließen die Sticheleien bezüglich des Namen „Anders“ drastisch nach, aber was so alles an Wortkreationen und Namensneuschöpfungen zu Tage kam!

Da wurde ich zum Beispiel als „Frau Pjannefond“ bezeichnet, oder - noch besser - als „Frau Andreas Pannenfreund“. Auch die Kreation „Pahnefrosch“ hat mir ziemlich gut gefallen, ganz zu Schweigen von „Parma-Ford“, wie auch immer dieses neue Schinken-Auto aussehen mochte...

Sie lachen? Prima, ich fand es auch recht witzig... – einige Jahre später und mittlerweile des Buchstabierens dieses Namens mächtig! Wie auch immer – ich gewöhnte mich auch noch an diese neuen Namensspielchen mit vielen neuen Späßchen (man glaubt ja gar nicht, wie einfallsreich manche Mitmenschen so sein können...) und arbeitete wieder an meiner persönlichen Akzeptanz meines so Seins und Heißens.

Jahre später – ich beschäftigte mich inzwischen aufgrund einer Sinnkrise ein bisschen mit Esoterik und möglichen Hintergründen für unser Dasein – traf ich einen älteren, weißbärtigen Mann, der mir einiges zu meinem Namen zu sagen wusste. So meinte er unter anderem, dass mein Vorname Gudrun etwas damit zu hätte, dass ich das Wort Gottes verbreiten sollte. Er leitete dies aus den Wortstämmen „Gud“ für „Gott“ und „run“ als Sinnbild für „Runen“ („Wort“ oder „geheime Weisheit“) ab. Und meinem Geburtsnamen „Anders“ sollte ich doch bitte alle Ehre machen und meine schon vorhandenen Gedanken dazu in die Tat umsetzen...

Ein wenig später durchlief ich einige unterschiedliche Ausbildungen im Bereich der alternativen Heilmethoden und damit verbunden waren viele therapeutische Sitzungen, die mir halfen, weiter in mein innerstes Wesen vorzudringen, zu dem, was ich wirklich war oder zumindest gern hätte sein wollen.

Der Effekt, den diese Ausbildungen auf mein weiteres Leben hatten, war nicht zu unterschätzen, denn ich wurde mit mir und meiner Welt aufrichtiger und wesentlich ehrlicher zu mir selbst. Aufrichtiger auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich unterzog mich einer sehr intensiven Rückenschule, um meine seit Kindesbeinen an nach vorn gekrümmte Wirbelsäule wieder aufzurichten.

Vielleicht war es – im Nachhinein betrachtet – auch die Last meines Namens, unter der ich als Kind und Jugendliche schwer zu leiden hatte, die mich eine buckelige Haltung einnehmen ließ, was in jüngeren Jahren ein weiterer Leidensfaktor für mich gewesen war. Mehr als nur einmal nannte man mich scherzhaft „Buckel-Gudrun“; nach meinen ständigen Rückschmerzen hat sich jedoch nie jemand erkundigt.

Aber all diese Therapien hatten auch etwas sehr Gutes für mich: Ich war nach vielen Jahren der Unterdrückung meiner Gefühle und Emotionen endlich in der Lage, diese besser zu fühlen, sie auszudrücken und auszuleben. Was zur Folge hatte, das ich nicht mehr jeden Tag kontrolliert und für meine Umwelt berechenbar war, sondern mich in einem ständigen Wechselbad der Gefühle befand – mal so, mal so. Mal traurig und depressiv, mal ruhig und zurückgezogen und mal himmelhoch jauchzend und überglücklich.

Freunde von mir, die mich und meine Berg- und Talfahrten amüsiert betrachteten, ließen sich dann auch zu der Kreation: „Na, sind wir heute mal wieder etwas anders, Frau Anders?“ hinreißen, die mir noch bis heute wie ein uraltes, durchgekautes, lang nicht mehr schmeckendes Pfefferminz-Kaugummi zwischen Zeigefinger und Daumen anhaftet. Gott sei Dank konnte ich zu diesem Zeitpunkt auch endlich so lange darüber lachen, bis uns allen die Tränen über die geröteten Wangen rollten.

Und mit diesen extremen Stimmungsschwankungen trat ein merkwürdiges Phänomen in mein Leben: Die scheinbare Stagnation meines Lebensflusses - ich hatte lange das Gefühl, irgendwie nicht von der Stelle zu kommen - hatte ein Ende. Die Welt um mich herum drehte sich irgendwie immer schneller und schneller. Und immer mehr passierte in immer kürzerer Zeit. Emotionsgeladene Situationen häuften sich, reihten sich aneinander wie die scheppernden Wagen einer Achterbahn im Sturzflug - und das Leben fuhr mit mir auf derselben.

Zu dieser Zeit hatte ich eine Freundin, die gleich um die Ecke arbeitete und die ich natürlich jeden Tag sah. Als ziemlich verstandes-orientierter Mensch lächelte sie oft belustigt über meine kleineren und größeren Gefühlswallungen, die sich wie eine Welle hätten ausbreiten sollen oder können, in Wahrheit aber eher einem Tsunami entsprachen. Aber auch sie gewöhnte sich ein bisschen daran und schaute mir oftmals ein wenig argwöhnisch entgegen, wenn sie wieder einmal eine Sturmflut erwartete und schnell davor in Deckung hechtete...

Als diese Springfluten langsam abebbten und ich wieder ein wenig ruhiger und gelassener wurde, fing sie sogar an, es zu vermissen. Und so sagte sie eines Tages zu mir: „Gudrun, ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass du jeden Tag anders bist, dass ich es vermisse, wenn du mal nicht anders bist, Frau Anders! Kannst du nicht wieder jeden Tag anders sein und dem Namen ‚Anders’ alle Ehre machen? Das war irgendwie viel schöner...“

Und in diesem Moment – im Bruchteil einer Milli-Sekunde - machte etwas ‚pling’ in meinem Kopf! Es war o.k. anders zu sein. Und es war auch o.k. anders als andere Menschen mit Gefühlen umzugehen, denn das macht unsere Andersartigkeit doch erst aus! Es war o.k. anders zu denken, anders zu sein, anders zu handeln.
 
Es war o.k. den eigenen, ganz persönlichen und individuellen Lebensweg zu gehen, der anders (!) ist als der der anderen.

An diesem Tag hatte ich mein neues – und eigentlich geniales – Lebensmotto vollständig akzeptiert: „Ich bin anders als die anderen. Ich bin jeden Tag anders. Ich bin Frau Anders. Ich bin Anders (anders) – und das ist gut so!“

Und mein Lebensmotto – und damit mein Leitspruch für mein weiteres Leben – wurde: „Jeden Tag anders sein!“ Das geht sogar so weit, dass meine persönliche Email-Adresse „jedentaganders“ lautet und auch eine Webseite habe ich mir mit diesem Namen zugelegt.

Was ich Ihnen mit diesen kleinen, sehr persönlichen Beispielen aus meinem eigenen Leben nahe bringen wollte, ist, dass wir alle anders (!) sind und es keinen Grund gibt, den oder die anderen über die Andersartigkeit auszulachen.

Jeder von uns hat mit der Andersartigkeit des oder der anderen (gelegentlich) zu kämpfen. Der eine ist schwarz, der andere weiß. Der eine ist groß, der andere dafür sehr klein. Einer ist behindert und der andere ist es nicht. Niemand ist besser oder schlechter, nur weil er ‚anders’ ist.

Wir alle haben unser Päckchen zu tragen, bei manchen ist es offensichtlich und bei anderen schlummert es wohlgehütet und bestens getarnt im Verborgenen. Niemand ist perfekt, jeder hat oder empfindet seine ureigenste, persönliche „Behinderung“, ob diese nun aus körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen herrührt. Und jedes sich lustig machen über die Andersartigkeit des anderen, kann tiefe, schmerzende Wunden in der Seele des Betroffenen hinterlassen. Wunden, die, einer Brandmark gleich, immerwährende Spuren - ob sichtbar oder unsichtbar - hinterlassen und von purer Gewalt und einer sehr tiefen Herzlosigkeit zeugen, denn nicht jeder ist in der Lage, sein Schicksal vollkommen mühelos zu (er)tragen.

Lassen Sie uns an der Andersartigkeit der anderen Menschen teilhaben, egal wie dieses „anders sein“ sich ausdrücken mag. Lassen Sie uns herzlich aufeinander zu gehen, damit es ein Miteinander gibt und wir aus dem Anders-Sein des anderen lernen und davon profitieren können. Es gibt so viel zu entdecken, was eine Bereicherung für uns alle sein könnte! Es gibt auf dieser Welt so viel zu tun und zu verändern, dass für derartigen Kinderkram keine Zeit mehr sein sollte!

Lassen Sie uns anders (!) sein, damit wir das Leben anders (!) gestalten und alle etwas zu lachen haben.

Ihre
© Gudrun Anders

Freitag, 18. Dezember 2009

Kurzgeschichte: Tierkommunikation

Etwas mehr als zwei Jahre wohne ich jetzt in meinem neuen Heim. Ein alter Bauernhof inmitten der Aachener Soers, einem Stück Natur belassener Landschaft nur fünf Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Rundherum Kühe auf frischen Weiden, Wanderwege entlang der Maisfelder und Hofläden, an denen es Biogemüse zu kaufen gibt.


Meine Katze und ich lebten uns hier schnell gut ein und genossen den ursprünglich gehaltenen Garten sehr. Ich liebte auch die beiden Hofhunde, die zwar im Zwinger gehalten werden, womit ich zunächst Probleme hatte, aber es ging ihnen so gut hier, dass ich meine Bedenken recht bald verlor.


Das einzige, was mich etwas störte, war, dass die beiden sehr oft bellten. Was ja in Ordnung war, wenn abends oder nachts Fremde auf den Hof kamen, aber die beiden bellten auch, wenn eine Kühe auf der Weide an ihnen vorüber ging oder wenn sie Langeweile hatten. Aber ich gewöhnte mich dran und – es waren nicht meine Hunde ...


Vor einigen Monaten musste dann der Besitzer für längere Zeit wegen einer Operation ins Krankenhaus und anschließend in die Reha. Nur zu gern sagte ich zu, die Pflege der beiden Hunde zu übernehmen, die mir zwischenzeitlich sehr ans Herz gewachsen sind. Morgens und abends gingen wir unsere Runden auf dem Hof und den angrenzenden Wiesen. Am Nachmittag beobachtete ich die beiden, wie sie auf ihrer Lieblingswiese die Mäusegänge ausbuddelten. Und wir gewöhnten uns sehr aneinander. Ich hatte sogar den Eindruck, dass die beiden ein klein wenig ruhiger wurden.
 
Als das Herrchen dann endlich aus der Reha wieder kam, war ich sogar ein wenig traurig. „Och,“ sagte Josef, das Herrchen dann, „du kannst die beiden doch immer rausnehmen, wenn du willst!“ Und so ging ich, wann immer ich Lust und Zeit hatte, mit den Hunden an unsere Lieblingsplätze. Und wir alle freuten uns.
 
Manchmal, während ich auf meinem Lieblingsbaumstumpf saß und den Abendhimmel beobachtete, redete ich innerlich mit den beiden Hunden. Mein innerstes Selbst fragte, was sie brauchten, wonach sie sich sehnten – und was ich vielleicht tun könnte. Das ist nichts ungewöhnliches, das mache ich eigentlich schon seit meiner Kindheit. Ich rede auch mit Pflanzen und mit anderen Menschen auf dieser nonverbalen Seelenebene, die leider noch nicht allen Menschen so zugänglich ist.
 
Von Benji, dem kleinen vierjährigen Wildfang nahm ich wahr, dass er oft nicht ausgelastet ist. Auf Seelenebene hörte ich,  dass er manchmal deshalb nicht hört, weil er gern noch länger über die Wiesen tollen würde, um seine Kräfte zu erproben. Er wollte noch etwas entdecken, den kleinen Strolch rauslassen und seine Nase in den seichten Sommerwind halten.


Ich wusste allerdings nicht, wie ich das bewerkstelligen sollte. Meine beste Freundin sagte mir oft, dass mir ein Hund fehlt, mit dem ich regelmäßig nach draußen komme. Und es stimmte. Ich hatte viele Jahre einen Hund gehabt und die Bewegung hätte mir sicher gut getan.
 
Als ich den Hundehalter bei nächster Gelegenheit fragte, war dieser sogar begeistert von der Idee, dass ich Benji auf die Spaziergänge mitnehmen wollte. Es gab nur ein Problem: Bislang hatte der kleine Frechdachs alle Leinen durchgebissen und sich massivst zur Wehr gesetzt, weil er partout nicht mit Leine gehen wollte. Kein Wunder, war er doch jahrelang das freie Herumtollen auf der Wiese ohne Halsband gewohnt.
 
Das erste Mal ging nur mit leichtem Zwang und zwei festen Händen, die ihn hielten, um das Halsband über den Kopf zu streifen. Und während ich zur Wiese wollte, kämpfte Benji sich in die andere Richtung – in den Zwinger! Alle vier Beine stemmten sich in den Boden und wäre er eine Katze, hätte man sicher sagen können, dass er ob der ungewohnten Leine einen Katzenbuckel machte.


Irgendwie schaffte ich es dennoch, ihn dazu zu bewegen, einen kleinen Weg mit mir zu gehen. Auf nicht einmal 800 Metern lief er mir mindestens 12 Mal zwischen die Beine, trat mir 5 Mal auf die Füße und blieb mehrfach abrupt stehen, so dass auch ich fast stolperte. Als er auf dem Rückweg die vertraute Auffahrt wieder sah, gab er dann so viel Gas, dass er mich die Steigung hoch fast zog.


Aber ich wollte nicht mehr locker lassen. Am nächsten Morgen nahm ich die beiden Hunde mit auf unsere vertraute Wiese und redete auf meinem Baumstamm sitzend mit dem kleinen Mischlingshund. Ich nahm wahr, dass er zwar einerseits neugierig war und in seiner vertrauten Umgebung auch ein kleiner Draufgänger, aber das sein eigentliches Wesen eher ängstlicher Natur war.


Nachmittags machte ich mich wieder fertig, um mit ihm eine Runde zu gehen. Die Leine ließ sich schon ein wenig besser anlegen, die ABS-Beine stemmten sich nur noch wenig in die Erde. Immer wieder lobte ich den kleinen Hund, streichelte ihn und sprach ihm Mut und Lob zu. Wir trafen auf dieser Runde nicht auf andere, aber das war auch gut so, denn langsam lockerte er sich ein wenig, fing hier und da mal an zu schnüffeln und hinterließ auch gelegentlich mal seine Duftmarke. Dennoch war er sichtlich froh, als wir seinen Heimathafen wieder ansteuerten. Als er sein Herrchen an der Wiese stehen sah, gab er Gas, und freute sich offensichtlich, das dieser große Ausflug ins Umland glücklich geschafft war.


Das gleiche machte ich am Morgen darauf. Wieder sprach ich ihm morgens auf Seelenebene Mut zu und schnappte mir Benji am späten Nachmittag für unsere erste richtig große Runde.


Ohne Widerrede ließ er sich das Halsband anlegen und der Widerstand zu gehen war nur noch sehr gering. Nach wenigen Metern lief er freier als die ersten Male, blieb stehen, wenn ich stehen blieb und beim Kommando „komm“ setzte er sich wieder in Bewegung. Nur bei sehr ungewohnten Geräuschen kam er meinen Knien verdächtig nahe ...


Wir begegneten Joggern, die er freundlich passieren ließ, obwohl er sonst wohl eher in die Achillesferse gebissen hätte. Auch Radfahrer, die er gern von der Seite ansprang, konnten passieren. Und schreiende Kinder konnten ihm kaum was anhaben. Er drückte sich an mich, obwohl er sonst auf sie losgegangen wäre.
Wir machten eine sehr große Runde und entdeckten einen kleinen Bachlauf, begrüßten Esel und Pferde auf den Wiesen und entdeckten einen wundervollen Schlosspark, in dem es herrlich nach frisch gemähtem Gras duftete.


Auf dem Nachhauseweg trafen wir eine junge Frau mit Kind erneut. Wir waren ihnen schon zuvor am Bach begegnet. Es entspann sich ein kurzes Gespräch, in dem ich ihr sagte, sie möge noch ein wenig vorsichtig sein, gerade mit dem Kind, weil ich noch nicht wisse, wie der Hund reagiert. Benji aber schnupperte nur und blieb ansonsten ganz ruhig und gelassen sitzen und beobachte die Umgebung.


„Haben sie nicht den Pferdeflüsterer gesehen?“ fragte mich die junge Frau. „Ich hab’ da ganz grandiose Dinge gehört, das Reden mit den Tierseelen funktioniert tatsächlich. Es gibt sogar Tierkommunikatoren – besuchen Sie doch mal einen! Das hilft tatsächlich!“


Ich lächelte, sah Benji ganz brav neben mir sitzen, obwohl das Kind zu schreien anfing, und sagte: „Ja, ich weiß. Ich bin eine davon!“
 
(c) Gudrun Anders

Dienstag, 15. Dezember 2009

Motibooks - der neue Buchtrend !

Motibooks sollen die Leser bewegen (engl. motion = Bewegung, Antrieb), soll sie erfreuen und so motivieren, denn die Leser werden an den eigenen Emotionen gepackt.
 
Beispielsweise die Autorin Gudrun Anders: Sie schrieb, ohne es zunächst selber zu wissen, auch ein Motibook und sammelte hierzu ihre Gedanken auf kleinen Zetteln.
 
Als dann eine Freundin mit einem beruflichen Rückschlag umgehen musste, überreichte Gudrun Anders eine Sammlung motivierender Gedanken und die Reaktion der Freundin viel deutlich aus. Der berufliche Stress entwich ihren Gedanken und die Ansammlung von Zetteln wirkte, besser: Das erste Motibook wirkte und es folgten zahlreiche andere.
 
Wen wunderts, sind die Themen der Motibooks ja gerade motivierend und inspirierend und mit guten Gedanken nahezu vollgestopft. Auch kurze, motivierende Fachbücher sind im Programm vertreten, ebenso Kurzgeschichten und Märchen. Die reiche Bebilderung unterstützt die motivierenden Texte der kleinen Motivationskünstler.


Aber warum wirken Motibooks so motivierend? Die Autoren sprechen die Sprache der Leser, denn es sind Menschen wie Du und ich. Menschen, die ihre Erfahrungen und Einsichten mit anderen teilen möchten. Menschen, die andere so gern haben, dass sie Ihnen helfen möchten.
 
Menschen, die künstlerisch tätig sind oder die einfach eine Begabung zum Schreiben haben und ihr Geschriebenes gern als Buch in der Hand halten möchten.
 
Menschen, die einen Computer haben und schlussendlich Menschen, die verstehen warum ein Motivationsschub gerade nötig ist.


Info: 
www.motibooks.de
oder direkt bei Gudrun Anders - info(at)gudrun-anders.de

Montag, 7. Dezember 2009

Märchen: Die Zusammenkunft der großen Drei

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da kamen der Paradiesapfel, die Wolke und das Bild in einer Hütte am Ende der Welt zusammen, um darüber zu diskutieren, wer von ihnen der Wichtigste auf dieser Welt sei.


Der Paradiesapfel meinte: „Selbstverständlich bin ich das Wichtigste auf dieser Welt! Nur mit mir können die Menschenkinder überleben. Deshalb bin ich wichtig. Wäre ich nicht, so müssten die Menschen elendig verhungern. Und da ich ein Pradiesapfel bin, bin ich besonders wichtig, denn durch mich werden die Menschen auch noch an das Gute und Schöne erinnert!“


Die Wolke brummelte Unverständliches vor sich hin. „Ja, ja, das ist ja alles ganz lobenswert, was du da erzählst, aber was wäre die Menschheit ohne mich und das Wetter des Lebens? Erst mit mir wird das Leben lebenswert. Nur Menschsein und essen reicht nicht aus. Man muss auch noch mehr von der Welt sehen als nur die Äpfel zum essen. Und das ist nur in Zusammenarbeit mit mir, der Wolke zu erreichen. Also bin ich das Wichtigste, was die Menschen haben!“ sprach die Wolke und guckte nach diesem Vortrag zufrieden vor sich hin.


„Papperlapp! Alles nur Gerede!“ toste das Bild. „Was wäre die Welt, wenn die Menschen nichts für das geistige Auge hätten? Sozusagen Nahrung für die Seele? Die Menschenkinder müssen sich uns, die Bilder, ansehen, damit ihr Wissensdurst nach geistigen Gütern gestillt wird. Ohne uns ist die Welt farblos und grau. Erst wir machen die Welt bunt und farbenfroh, so wie sie sein soll! Deshalb sind wir Bilder das Wichtigste auf dieser Welt!“ erzählte das Bild und räkelte sich genüsslich.


Stille entstand in dem Raum in der Hütte am Ende der Welt. Jeder hing seinen Gedanken nach und keiner traute sich im Moment, etwas zu sagen. Jeder spürte, das etwas in der Luft hing.


Und richtig! Eine feste Stimme sprach plötzlich: „Das ist alles gut und schön. Aber könntet ihr hier z.B. so gemütlich diskutieren, wenn es mich, die Hütte, nicht gäbe? Ich mache euch einen Vorschlag. Sozusagen einen Kompromiss. Was würdet ihr sagen, wenn wir alle gleich wichtig sind? Das heißt: der Apfel ist genauso wichtig und genau so viel wert wie die Wolke und genau so viel Wert wie das Bild und wie ich. Jeder ist gleichwertig, denn wir können einer ohne den anderen nicht leben. Deshalb lasst uns diese Diskussion hier abbrechen und uns einfach freuen, dass wir da sind, das wir leben und das jeder dem anderen helfen kann!“


Es dauerte noch eine Weile, bis jeder der Anwesenden begriffen hatte, was die Hütte da gesagt hatte. Aber ganz allmählich nickte ein jeder bedeutungsvoll mit dem Kopf und hatte ein Lächeln auf den Lippen.


Und jeder begann, sich bei dem anderen für diese Zusammenkunft zu bedanken und versprach, es den Kollegen draußen in der Welt weiterzuerzählen, wie sie das Geheimnis des friedlichen Miteinanders für immer gelöst hatten.


(c) Gudrun Anders

Das Zitat des Tages: