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Dienstag, 20. September 2011

Info: Die Welt der (Klein-) Verlage …


Mitte der 90er Jahre, als ich – auf dem Verlagssektor noch völlig unerfahren, ich verkaufte die Bücher lediglich in meinem Laden – versuchte, mit meinen selbst geschriebenen Werken an den Autorenmarkt zu kommen, machte ich einiges an Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Verlagen. Damals schon sollte ich bei so manchem Verlag, bei dem ich mich bewarb, umgerechnet rund 5.000 € für die Publikation meines Werkes bezahlen. Dazu sollte ich mich verpflichten, jedes Jahr mehrere Hundert gedruckte Exemplare abzunehmen, um diese selbst zu verkaufen.

Es spricht meiner Ansicht nach nichts dagegen, wenn ein kleiner oder junger Verlag den Autor bei Ersterscheinen bittet, einige Bücher abzunehmen. Das sollte sich allerdings im Rahmen irgendwo zwischen 25 und 200 Büchern bewegen. Das ist für meine Begriffe durchaus legitim, denn es mindert das Risiko des Verlages und lässt den Autor auch ein klein wenig am anfänglichen Vertrieb teilhaben, was manchmal gar nicht so einfach ist, wie es für den Laien, der nur die Buchhandlung besucht und alle fertigen Werke bestaunt, aussehen mag.

Wenn man von Ihnen allerdings verlangt, 500 oder gar 1.000 (oder womöglich noch mehr …) Bücher als Erstabnahme abzunehmen, bewegen wir uns auf den Bereich zu, wo auch kalkulatorisch fast davon auszugehen ist, das der Autor (fast) alle Vorlaufkosten – oder zumindest einen sehr, sehr großen Teil davon – allein tragen soll und der Verlag keinerlei Risiko mehr trägt.

Dies kann Ihnen von reinen Dienstleistungsverlagen angeboten werden. Ich befürchte, dass Sie bei diesen Verlagen dann zwar ihr Buch auf den Markt bekommen, wenn aber die allererste (minimale) Werbung gelaufen ist und das Buch nicht Fuß fasst, diesbezügliche Werbe-Aktivitäten sehr schnell eingestellt werden.

Wenn Sie ein Spitzenverkäufer sind und diese Exemplare binnen weniger Wochen oder Monate an Ihre Kunden verkauft haben, sieht die Rechnung allerdings anders aus, denn eigentlich sollten Sie dann durch die Gewinnmarge Ihre Kosten längst wieder drin haben. Allerdings hätte ich unter diesen Bedingungen dann auch meinen Eigenverlag gegründet, damit sämtliche Gewinnanteile in meine eigene Tasche fließen …

Ich selbst habe es anfänglich in meinem Verlag so gehalten, dass Jungautoren mir ausschließlich die entstehenden Fixkosten zur Buchproduktion erstatteten. Das waren seinerzeit anfänglich 400 oder 500 Euro. Dies beinhaltete die Erstattung der anfallenden Kosten für die ISBN, Datenhaltung und Eintragungsgebühren nebst einem kleinen Verwaltungskostenanteil. Ich musste allerdings schnell feststellen, dass ich damit auf Dauer keine Brötchen auf den Tisch bekam – geschweige denn die Miete …

Im Laufe der Jahre entwickelte sich aufgrund der immensen Kostenproblematik daraus mein Dienstleistungsverlag. Am Ende erhob ich die mir entstehenden Kosten der Buchproduktion vom Autor und leistete meinen Teil der Arbeit, nämlich Verwaltung und Marketing zusätzlich. So kam ich über die Runden.

Und das meine ich auch genau so wie ich es geschrieben habe. Ich bin mit dieser „Taktik“ über die Runden gekommen. Ich konnte meine Miete bezahlen und hatte etwas zu Essen. Reserven oder gar Millionen angehäuft hatte ich dadurch nicht. Aber kurz vor dem Burnout stand ich nach mehreren Jahren Verlagsarbeit, weil junge, unerfahrene Autoren, die selbst nur 5 Exemplare ihrer Bücher pro Jahr verkaufen, keine Marketinghilfe waren.

Von 100 Büchern, die von einzelnen Autoren pro Jahr verkauft, kann man als Unternehmen keine Gewinne erzielen, die dazu verhelfen, einen jungen Verlag auf solide Beine zu stellen. Und Bestseller stellen sich extrem selten bei Jungautoren ein. Vor allem dann, wenn das Werbebudget für (sinnlose) Zeitungsanzeigen einfach nicht da ist.

Mir stehen daher ein klein wenig die Haare zu Berge, wenn ich im Internet die Frohlockungen von so manchem Verlag lese.

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Das, lieber Leser oder liebe Leserin, ist garantiert nur die eine Seite der Medaille. Sollten Sie vor haben, mit so einem Verlag zu kooperieren, LESEN SIE BITTE DAS KLEINGEDRUCKTE GANZ AUSFÜHRLICH. 

Suchen Sie den Vertrag nach versteckten Kosten ab und schauen Sie sich sehr detailliert die Leistungen an. Das kann nicht sein, denn für diesen Betrag würde der Verlag zig tausend Manuskripte bekommen. Und das JEDE WOCHE. So viele Bücher kann der Verlag gar nicht produzieren. Oder siebt er nur, lockt sie an und schickt Ihnen künftig viel Werbung? Oder müssen Sie das Buch hier „druckfertig“ einreichen?

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Klasse, diese Erfahrung. Die wird wahrscheinlich auch aus dem Vertrag ersichtlich, der mit allen Wassern gewaschen ist.

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Das mag sein, vielleicht sogar gut. Aber was kostet diese Dienstleistung?` Und ist damit auch gleich eine Veröffentlichung verbunden oder handelt es sich nur darum, dass Manuskript zu schreiben?

Und so weiter und so weiter. Im Laufe der Jahre habe ich mehreren Autoren geholfen, aus solchen Verträge mit unseriösen Verlagen heraus zu kommen. Ein Verlagsvertrag belief sich auf rund 10.000 € zzgl. MwSt. für die Erstellung eines Hardcoverbuches von ganzen 75 Seiten mit Gedichten. Hammer!

So ein Buch lektoriere und gestalte ich Ihnen an einem Tag. Das Ganze mehrmals im Monat, dann schaffe ich den Weg zum Millionär in diesem Leben noch. Falls nicht vorher die Akte-Redaktion bei mir auftaucht und ich außer Landes fliehen muss …

Also – wenn Sie einen Verlagsvertrag an der Angel haben und sich nicht ganz sicher sind – fragen Sie lieber einen erfahrenen Rechtsanwalt oder schalten Sie mich ein. Für einen kleinen Kostenbeitrag schaue ich mir die Verlagsunterlagen an. Ich kann Ihnen zwar keine Rechtsberatung geben, aber mögliche Fallen in den Verträgen aufzeigen, die Ihnen die Entscheidung erleichtern kann.

Das Zitat des Tages: